Autor Thema: Philosophie für Einsteiger  (Gelesen 33768 mal)

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Offline ring45

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Antw: Philosophie für Einsteiger
« Antwort #175 am: 19.07.2017 19:42:48 »
Lesen aus Interesse und Bewunderung mit dem Versuch, etwas zu entgegnen, aber der Kopf gibt nichts Gescheites und Philosophisches her  >:(
Die unbeugsamen Gallier - ein kleines Dorf gegen den Rest der Welt
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GUTEMINE - Rechnet mit dem Nudelholz ab

Offline De Wolf

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Antw: Philosophie für Einsteiger
« Antwort #176 am: 21.07.2017 10:49:59 »
Was tun? Wissen vernetzen, erden, veranschaulichen.

Aber wie sagt der Pelzer: Ned so eefach, wemmas doppelt nemmt.

Awwer mir probiere's weider...  :up:
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Offline De Wolf

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Antw: Philosophie für Einsteiger
« Antwort #177 am: 21.07.2017 11:21:08 »
Fangen wir mal an mit einem großartigen Star Trek Film. Der "Zorn des Khan." Dieser Erzfeind Captain Kirks kann nur unter großen Opfern besiegt werden.
Denn wie Käpt'n Ahab ist Khan bereit, seiner Rache alles zu opfern - auch das eigene Leben. Wenn er nur den Gegner mitnehmen kann...   >:D

In letzter Sekunde repariert Mr. Spock den havarierten Antrieb der Enterprise und rettet Schiff und Besatzung - wohl wissend, dass er sich damit eine tödliche Strahlendosis einfängt.

Warum?

 :think:

Seine Begründung - geradezu typisch für den Vulkanier:

"Es war eine logische Entscheidung. Das Wohl von Vielen, es wiegt schwerer als das Wohl von Wenigen oder eines Einzelnen." 

Damit zeigt sich Spock von seiner zutiefst menschlichen Seite -  als konseqenter Vertreter einer utilitaristischen Ethik.

Das Wort Utilitarismus leitet sich ab vom lateinischen utilis - nützlich.

Ziel menschlichen Handelns sollte also sein, zum Nutzen bzw. Wohlergehen aller (oder möglichst vieler)  beizutragen.

Was das im Einzelfall ist und wie das hohe Ziel zu erreichen ist - das wird von verschiedenen Utilitaristen unterschiedlich gesehen.

Geht es dabei um individuelles Glück und Wohlergehen - oder doch um allgemeine Pflichterfüllung?
Oder um Werte "an sich"?     
Wer ist es, der entscheidet?
Und mit welchen Folgen für das Gemeinwesen? 

Gute Frage.

Was denkt ihr?

 :-\

Es ist jedenfalls (auch für QD)  gut zu wissen, dass dieser Ansatz durch Jeremy Bentham (1748–1832) und John Stuart Mill (1806–1873) entwickelt wurde.

Trekkies würden natürlich sagen, dass Surak die Nase vorn hatte.  ;)

« Letzte Änderung: 21.07.2017 11:30:46 von De Wolf »
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Antw: Philosophie für Einsteiger
« Antwort #178 am: 28.07.2017 12:52:31 »
Gerade in seiner "antiautoritären" Form hat der Utilitarismus auch moderne wissenschaftliche Disziplinen wie Sozialphilosophie, Soziologie, kritische Gesellschaftstheorie und Wirtschaftswissenschaften geprägt.

So gilt Mill als Vater des sozialen Liberalismus.

Ein Mensch mit Überzeugung. Besser als - Zitat / OT:  "99 andere, die bloß Interessen verfolgen."   :up:
« Letzte Änderung: 28.07.2017 14:24:18 von De Wolf »
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« Antwort #179 am: 17.10.2018 11:52:22 »
A propos Interesse. Wörtlich - mit dabei sein. Anteil nehmen.

Was besonders angenehm ist, wenn es  - nach dem Verständnis der griechischen Philosophen - auf drei Weisen geschieht.

Durch Eros, Philia und Agape.

Eros bezeichnet dabei körperliche Liebe bzw. Anziehungskraft.
Eine besondere Energieverbindung, die auch für Außenstehende spürbar ist.
Die sich auch und gerade in der" erotischen Sinneslust" zeigt.
Dabei gibt es Verbindungen bzw. Parallelen zur indischen Philosophie (Prana bzw. Kama) und sogar zur chinesischen (Qui).

Das Element des intimen "Verkehrs" bzw der innigen Verschmelzung der Partner wird auch im hebräischen Verb jadah deutlich, dass eigentlich "erkennen" bedeutet.

Aber das nur nebenbei.  ;)

Philia ist die Liebe unter Freunden. Die Liebe zur gemeinsamen Sache. Einer Lebensphilosophie, die die Freunde verbindet.
Gemeinsame Interessen - wie die Philatelie (Briefmarken) oder die Byrophilie.  :cheers:

Die dritte Form schließlich, die Agape,  hat gerade im Christentum besondere Bedeutung bekommen.
Denn hier ist sie die reinste, höchste, Form der Liebe. 
Wahrhaft überirdisch - göttlich.
Warum? Weil sie uneigennützig ist.
Ohne Gegenleistung auskommt.
Sogar den Feind einschließt.

Nicht umsonst ist auch das lateinische Pendant - Caritas - der Name einer kirchlichen Hilfsorganisation.

Diese Form der Liebe besingt auch der Apostel Paulus in seinem Hohelied (1. Korinther 13, 1-13).  :guitar:

A propos.

Ein kleiner Witz sei hier erlaubt.

"Der Pfarrer schloss mich ein in sein Gebet. Wie komme ich da wieder raus?"  :-\
 

 

 

« Letzte Änderung: 17.10.2018 11:54:26 von De Wolf »
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« Antwort #180 am: 07.04.2019 16:07:52 »
Schweigen...  :-\
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« Antwort #181 am: 07.04.2019 16:08:30 »
Denkpause...
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« Antwort #182 am: 07.04.2019 16:08:53 »
Längere Denkpause...

 :think:
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Antw: Philosophie für Einsteiger
« Antwort #183 am: 07.04.2019 16:52:01 »
Dann mache ich mal weiter.

Zunächst mit einem faszinierenden Stück Geschichtsphilosophie. Einer TV Serie von CNN, die  pünktlich zur Jahrtausendwende ausgestrahlt wurde.

Ihr Name war folgerichtig: Millennium.

Zehn Teile hatte sie und jede umspannte ein Jahrhundert. Jeder stand unter einem besonderen Leitmotiv, das anhand von fünf  Kulturen rund um den Globus entfaltet wurde.

Klingt ambitioniert?

War es auch. Die Produzenten und Kameraleute nahmen sich zwei Jahre Zeit für Reisen rund um den Globus. 100,000 Meilen Filmmaterial wurden belichtet. Schauspielsequenzen und Animationen erweckten die Vergangenheit zu neuem Leben. 

Der Oscarpreisträger Ben Kingsley wurde als Erzähler engagiert. Zwanzig Jahre später - wäre es eigentlich Zeit für eine Wiederholung.

Zum Inhalt:

Teil 1 behandelt das 11. Jahrhundert und trägt  den Titel:  Das Schwert. Es ist eine Zeit kriegerischer Auseinandersetzungen mit Auswirkungen bis in unsere Zeit.
Ein Beispiel ist die normannische Eroberung Englands 1066 (Wilhelm der Eroberer - genau.)
Zu nennen wäre aber auch der Erste Kreuzzug und die Gründung des Königreiches Jerusalem.

Teil 2 behandelt das 12. Jahrhundert und trägt den Titel:
Die Axt. Es ist eine Zeit ambitionierter Bauvorhaben.
Von den Kirchenbauten und neuen Stadtkulturen im Süden Europas über die aus Stein gehauenen Gotteshäuser Äthiopiens hin zu den Pueblo-Siedlungen in der neuen Welt (Mesa Verde).

Im Teil 3 geht es um das 13. Jahrhundert und um den Steigbügel.
Wir denken an die Glanzzeit der Ritter.
Aber auch an die Entstehung und Expansion des mongolischen Reiches.

Im Teil 4 geht es um das 14. Jahrhundert und um die Sense. Die Pest rafft unzählige Menschen dahin. Eine kleine Eiszeit führt zu Hungersnöten und Revolten und gefährdet sogar Europas feudales Machtgefüge.  :'(

Die Folgen zeigt Teil 5. Er trägt den Titel: Das Segel. Denn im 15. Jahrhundert begann - aus schierer Enge und materieller Not geboren - Europas langsamer Aufstieg zur Weltmacht. 

Ich sage mal. Heinrich der Seefahrer. Der Wegbereiter Vasco da Gamas.

Segel setzten aber auch Riesenflotten aus China die Handelsverbindungen bis nach Ostafrika knüpften. Bis das Reich der Mitte sich wieder zurückzog und das Feld anderen Mächten überließ.

Ein massiver Fehler, den die heutigen Machthaber - scheint es - korrigieren wollen.  :-\ 

Im 6. Teil geht es um 16. Jahrhundert und - um den Kompass. Ohne den die Europäer auf Ihren Nusschalen in der Weite der Ozeane wohl verloren gewesen wären.

Im 7. Teil wird deutlich, wie Europa seinen technischen Vorsprung ausbaut. Im 17. Jahrhundert wird das Teleskop erfunden. Unser Wissen über unsere Erde und unseren Kosmos vervielfacht sich.

Im 8. Teil geht es um das 18. Jahrhundert und den Beginn der Industrialisierung.
Das Symbol ist - logisch - der Feuerofen.
Alternativ hätte sich auch Thomas Newcomens Dampfmaschin' angeboten. 

Aber nein. Die krieje mehr später.

Im 9. Teil nämlich. Denn da  geht es um das 19. Jahrhundert.

Und das ist wirklich das Zeitalter der - Maschinen.

Den Schlusspunkt setzt dann Teil 10. Das 20. Jahrhundert steht im Zeichen des Globus bzw der endgültigen (?) Globalisierung.

Interessant wäre nicht nur eine Wiederholung der Serie.
Sondern auch ein weiterer Teil über das 21. Jahrhundert.
Welches Symbol würde sich da anbieten?

Der Mikrochip?  :-\

Wer Vorschläge hat - bitte melden!  :winke:
« Letzte Änderung: 08.04.2019 00:17:44 von De Wolf »
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« Antwort #184 am: 07.04.2019 17:06:32 »
Lust auf einen Link?

Leider nur auf englisch. Aber immerhin!  :up:

https://www.youtube.com/watch?v=mF4hfLgD_eo
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Offline Alemana56

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« Antwort #185 am: 12.04.2019 23:48:42 »
Bin neu im Forum u. schaue mir alles mal an. Was du schreibst und wie du das mit Qd- Wissen verknüpfdt, finde ich einfach super! Chapeau, Wolf de[emoji106][emoji3]

Gesendet von meinem E5823 mit Tapatalk


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« Antwort #186 am: 13.04.2019 20:39:01 »
@ Alemana: Dankeschön für das nette Feedback! Und: Herzlich willkommen!  :winke:
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« Antwort #187 am: 26.08.2019 17:41:59 »
Da simmer wieder. Geneigte LeserInnen. Liebe philosophisch interessierte QD-Fans. Oder - Kenner der Materie.  :-\

Wer kennt sich mit dem 20. Jahrhundert aus und hilft mir, das Brett langsam abzuschließen?  :winke:
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« Antwort #188 am: 26.08.2019 17:55:13 »
 [SiS01] [SiS01] [SiS01]
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« Antwort #189 am: 30.09.2019 12:53:32 »
Bis dahin schließen wir noch einige Lücken.

Und kommen zu einer politischen Streitschrift, die zu einem Bestseller ihrer Zeit wurde. Und bis heute an Aktualität nichts verloren hat.

Die Rede ist von Thomas Paines 1776 erschienenem Werk "Common Sense". Was übersetzt soviel bedeutet, wie "Gesunder Menschenverstand".

Aber auch - "Gemeinwesen".

Und Paine wußte beide Themen geschickt miteinander zu verbinden.

Worum ging es ihm? 

Paine war Bürger der "Vereinigten Kolonien" in der Neuen Welt. 13 an der Zahl. 

Ob daraus (Vereinigte) Staaten werden sollten, war noch nicht ausgemacht.

Viele Kolonisten hegten immer noch starke gefühlsmäßige  Bindungen an das Mutterland.

Bei aller Kritik  sahen sich als Untertanen "Ihres" Königs Georgs III. Waren bereit Steuern zu zahlen - wenn sie im Parlament vertreten waren.

Paine machte unmissverständlich klar, das die monarchischen und parlamentarischen Prinzipien Grossbritanniens mit etlichen Fehlern behaftet waren.

Allein dass in diesem System Könige und Lords gab, widersprach fundamental seiner Vorstellung, dass alle Menschen gleich (geschaffen) waren.

Somit war es die historische und moralische Pflicht der Amerikaner, diesem Unrechtsstaat den Kampf anzusagen.
Es galt, sich von diesem "Mutterland" zu lösen und ein eigenes  parlamentarisches Regierungssystem zu entwickeln.

Diese Gedanken zündeten!

Auch und gerade weil Paine sie in so einfacher und klarer Sprache darlegte, dass wirklich jeder  Mensch verstehen konnte worum es ging.

So kam es zu einem Stimmungsumschwung. Loyalismus war out. Patriotismus war das Gebot der Stunde. Die Grundlage für die Gründung der neuen, Vereinigten Staaten.  :up:
« Letzte Änderung: 30.09.2019 13:07:36 von De Wolf »
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« Antwort #190 am: 30.09.2019 12:59:41 »
Ein Originalzitat von besonderer Aktualität?

"Wenn wir aus den elenden Gegenden der alten Welt uns nach denjenigen wenden, die auf einer höheren Stufe der Verbesserung stehen, so finden wir auch hier die gierige Hand der Regierung, die in jeden Winkel, in jede Spalte des Fleißes und der Betriebsamkeit eindringt, und den Erwerb des Volks an sich reißt."  :-\
« Letzte Änderung: 30.09.2019 13:11:23 von De Wolf »
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