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Philosophie für Einsteiger

Begonnen von De Wolf, 15.09.2015 11:03

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De Wolf

#200
Dann kommen wir zum 1. Mai. Seit jeher der Internationale Tag der Arbeit.

Ok. Traditionell war es ein Tag, an dem Wechsel im Beruf oder Wohnort durchgeführt wurden (Moving Day).

Ein Tag der Veränderung und des Neuanfangs.

Ein Tag - an dem alte Arbeitsverhältnisse beendet wurden.

Und damit ein Tag von Demonstrationen und Streiks gegen ungerechte Verhältnisse.

Wobei das Kapital mit Aussperrungen antwortete.

Mit der Anwerbung neuer Arbeitskräfte als Streikbrecher.

Oder mit Gewalt seitens bezahlter Schlägertrupps, Milizen und - Polizei.   

So war das auch in Chicago im Mai des Jahres 1886, wo eine Arbeiterversammlung auf dem Haymarket zu einer regelrechten Schlacht zwischen Arbeitern und Polizei führte.

Wer wohl angefangen hat?  :-\

Es gab zahlreiche Opfer auf beiden Seiten. Aber vor allem - auf Seiten der Demonstrierenden.  :'(

Zur weiteren Abschreckung wurden auch Todesurteile gefällt. Und - Begnadigungen ausgesprochen.

Getreu der alten Devise: Brot und Peitsche und dann evtl. wieder Brot. Teile und herrsche.

Klasse(njustiz)!

Das förderte aber nur die Solidarität in der Arbeiterbewegung.

Das Ende vom Lied (oder vielmehr der Anfang): 

1889 wurde - zur Erinnerung an diese Ereignisse - der 1. Mai zum internationalen ,,Kampftag der Arbeiterbewegung" erklärt.

Im Folgejahr wurde er erstmals mit Massenstreiks und Massendemonstrationen in der ganzen Welt begangen. 

:up:
It's gotta be purrfect!

De Wolf

It's gotta be purrfect!

De Wolf

It's gotta be purrfect!

De Wolf

It's gotta be purrfect!

Sisterinheart

Äh, wir singen gerade was anderes 


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[move]>:D  Oh Quizzus, oh Quizzus, gib mir meine Punkte wieder!  >:D [/move]





Cristina Viv


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De Wolf

It's gotta be purrfect!

De Wolf

Allemannische Fassenacht ist auch vorbei. Dann könnte es ja weitergehen...  :-\
It's gotta be purrfect!

De Wolf

#208
Mit einem ziemlich ernsten Thema. Dem Sozialismus in Rußland. Im Zarenreich.

An dieses Land hatten Marx und Engels sicher nicht gedacht, als sie die Weltrevolution prognostizierten.

Das Land war durch und durch rückständig. Die Masse des Volkes waren einfache Bauern, die eben noch Leibeigene gewesen waren. Bodenständig, fromm und zarentreu...

Die Industrialisierung hatte gerade erst begonnen und war auf auf einige westlich geprägte Metropolen beschränkt.

Ein Proletariat entwickelte sich erst langsam.

Wer sollte da eine Revolution beginnen?  :-\

Antwort:

Eine Handvoll Berufsrevolutionäre. Unter dem Druck des zaristischen Geheimdienstes abgehärtet. An ein Leben im Untergrund, in der Verbannung oder im Exil gewöhnt.  :'(

Männer der Tat. 

Folgerichtig gaben sie sich Decknamen, die interessante Einblick in ihre Psyche ermöglichten.

Allen voran: Der Denker Wladimir Iljitsch Uljanow. Bekannt unter dem Alias Lenin.  Was meist gedeutet wird als "Der vom sibirischen Fluss Lena stammt", also auch das Exil im Osten nicht fürchtete.  >:D

An seiner Seite: Lew Dawidowitsch Bronstein a.k.a. Trotzki (der Trotzige). Der zum DEM politischen und militärischen Organisator der Revolution wurde.  :reader:

Zunächst eher in der zweiten Reihe: Josef Bessarionis des Dschughaschwili. Ein rauher Georgier, der sich den Namen Stalin gab. Der Mann aus Stahl. Das war er wirklich und hat es mehr als einmal bewiesen.  :'(

Oder Wjatscheslaw Michailowitsch Skrjabin. Bis heute als Molotov bekannt. Der Hammer. Oder der Hämmernde.

Ein kaltblütiger Kadertyp (und ergebener Gefolgsmann Stalins) der die Außenpolitik - revolutionierte.

Passt irgendwie...  :-\

It's gotta be purrfect!

De Wolf

Lenin übrigens - feinsinnig wie er war - gab Molotov den schönen Spitznamen Eisena...  :o
It's gotta be purrfect!

De Wolf

Wenn wir uns diese Herrenriege ansehen,  führt das zu der Frage, warum sich kein Widerstand gemäßigter Kräfte formierte.

Sozialisten, die im Sinne der marxistischen Orthodoxie den streng dialektischen Fortgang der Weltgeschichte erwarteten.

Also erst einmal die Entmachtung der feudalen Heerschaften durch eine bürgerliche Revolution.

Und dann erst die große proletarische Weltrevolution, die wirklich eine Massenbewegung sein sollte - und keine Sache entschlossener Berufsrevolutionäre.  :-\
It's gotta be purrfect!

De Wolf

It's gotta be purrfect!

De Wolf

#212
Blicken wir nach Deutschland. Da kam es im Ersten Weltkrieg  zu einem verhängnisvollen Streit in der SPD.

Es gab Stimmen, die sich gegen den "Burgfrieden" richteten - also ein Ende des Gemetzels verlangten.

So entstand die Unabhängige SPD aus der dann die KPD hervorging.

Womit die Linke empfindlich geschwächt wurde - was letztlich den Nazis in die Hände spielte...  :'(






i
It's gotta be purrfect!

Sisterinheart

Team Thusmenius


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De Wolf

#214
Auch die russische Arbeiterpartei erlebte das bereits einige Jahre früher, nämlich 1903. 

Während eine Minderheit von gemäßigen Kräften weiter auf eine bürgerliche Revolution setzte, forderte eine radikale Mehrheit einen kurzen Prozess:

Die rasche Beseitigung des Zaren und seiner adligen und bürgerlichen Unterstützer. 

Um das zu forcieren, wollten sie die Arbeiterpartei "reorganisieren" und einer straffen Hierarchie von Berufsrevolutionären und Kadern unterwerfen.

Minderheit heißt Menschewiki. Mehrheit - Bolschewiki.

Beide waren seit 1905 im russischen Parlament, der Duma, vertreten. Ohne viel bewegen zu können.

Das änderte sich mit dem Krieg, der die äußere und innere Schwäche des Zarenreiches offenlegte.

Fatalerweise verloren die Menschewiki die Unterstützung vieler Wähler, weil sie sich nach dem Ende des Zarentums an der neuen, bürgerlichen Regierung beteiligten, die den Krieg gegen die Mittelmächte fortsetzte.

Die Bolschewisten nutzten das aus - mit dem bekannten Ergebnis.  :'( 
It's gotta be purrfect!

De Wolf

It's gotta be purrfect!

De Wolf

#216
Die macchiavellistische Denkweise der Bolschwiki zeigte sich auch darin, dass sie im Frieden von Brest-Litowsk mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn weite Teile des alten Zarenreichs an die Mittelmächten abtraten.
Das wurde mit der schönen Formel "Brot und Frieden" verkauft.
In Wahrheit ging es darum, Zeit zu gewinnen, mit jedweder Oppostion aufzuräumen und die Machtfrage ein für alle Mal zu klären.  :'(
It's gotta be purrfect!

De Wolf

#217
Die Genossen konnten sich natürlich große Gebietsabtretungen leisten, weil sie wußten, dass die Mittelmächte nicht (mehr) gewinnen konnten.

Gut. Dass die Revolution in Rußland begonnen hatte, war etwas unorthodox.
Aber wer seinen Marx recht zu deuten wußte, dem war klar:
Auch in Deutschland standen große Veränderungen bevor.
Wer sich seine einst so stolze Armee ansah wußte:  Die Leute hatten es satt, von Kaiser und Co. verheizt zu werden. Sie wußten, dass ihre Familien hungerten.
Soldaten, die nach Westen verlegt wurden, brachten revolutionäres Gedankengut mit sich und verbreiteten es unter Kameraden.

So waren es Soldaten und Matrosen, die die Revolution von 1918 anfingen und die alten Herren zur Abdankung zwangen.

Neues schaffen aber - war ungleich schwieriger...
It's gotta be purrfect!

De Wolf

Interessant ist, wie hier die linke Philosophie Geschichte schreibt.

Getreu der Devise, die Marx mit Blick auf Feuerbach formulierte:

,,Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt (!) drauf an sie zu verändern"  :reader:
It's gotta be purrfect!

De Wolf

#219
Den letzten Anstoß zur Revolution gab ausgerechnet die Waffengattung, die dem Kaiser am meisten am Herzen lag.

Die Marine.

Deren Admiralität wollte in den letzten Oktobertagen 1918 tatsächlich gegen England auslaufen. Getreu der Devise: Alles ist verloren - aber die Ehre nicht.  Dieses aussichtlose Unterfangen führte zu einer Matrosenmeuterei in Wilhelmshaven, die sich rasch auf das ganze Reich ausweitete.

Überall bildeten sich  Soldaten- und Arbeiterräte. Die Herrscher dankten reihenweise ab.

Auch der Kaiser, der sich bis zuletzt gewehrt hatte.

Die "Novemberrevolution" war nicht mehr aufzuhalten. Nur - welche Verfassung sollte das  "Neue Deutschland" bekommen?

It's gotta be purrfect!

De Wolf

Fast mehr als die Reaktion der alten Mächte, fürchteten Sozialdemokraten wie Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann den linken Flügel der Bewegung.

Hier warb Karl Liebknecht für den Aufbau einer "freien sozialistischen Republik Deutschland" nach dem Vorbild der Sowjetunion.

So wurden in aller Eile Fakten geschaffen. Am 9. November 1918 verkündete Philipp Scheidemann, Vorstandsmitglied der SPD, aus einem Fenster des Reichstags in Berlin das Ende der alten Ordnung und die Gründung einer Deutschen Republik.

Was Ebert etwas irritierte. Denn waren solche Verfassungsfragen nicht Aufgabe einer (künftigen) Nationalversammlung?

Andererseits war man der Konkurrenz zuvorgekommen. Nur wenig später rief Karl Liebknecht auf einem Balkon des Berliner Stadtschlosses stehend die "Freie Sozialistische Republik Deutschland" aus.

Zugleich beschwor er den alten Traum der proletarischen Weltrevolution.

Es drohte ein Bürgerkrieg. Oder ein Krieg unter - Arbeitern?  :-\
It's gotta be purrfect!

De Wolf

Die Stimmung im Land spiegelt recht gut das folgende Lied wieder.

https://www.youtube.com/watch?v=jCZ-y8Fsty4

Wer sich schwertut, den Text zu verstehen - der ist weiter unten zu lesen.  :up:
It's gotta be purrfect!

Cristina Viv

#222
Die Weimarer Republik!


Kaiser Wilhelm II ,weigerte sich ja zurückzutreten.Daraufhin verkündete Reichskanzler Max von Baden am 9.November 1918 Wilhelms Abdankung. Der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann rief ziemlich eigenmächtig die Republik aus und proklamierte Friedrich Ebert als Reichskanzler. Von da an herrschten teilweise bürgerkriegsähnliche Zustände,  weil die extreme Linke noch versuchte, die Macht an sich zu reißen und Räterepubliken zu bilden.
Der Höhepunkt war der Spartakusaufstand in Berlin, ein massiver Streik Mitte Januar,  in dessen Verlauf Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet wurden.
Angesichts dieser Zustände wich der am 19. Januar 1919 neu gewählte Reichstag zu einer konstituierenden Sitzung nach Weimar aus .
Im Nationaltheater Schillers und Goethes traten die Abgeordneten am 06.Februar zusammen und beauftragten den linksliberalen Verfassungsrechtler Hugo Preuß mit der Ausarbeitung einer Verfassung , die am 31. Juli in Weimar verabschiedet wurde. Diese trat am 11. August in Kraft !

Ohh , zu spät !  Danke Wolf ! Wieder mal eine klasse Erklärung !  :up: :-*

Donna Cristina Rubacuori

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De Wolf

It's gotta be purrfect!

De Wolf

Vielleicht werfen wir noch einen Blick auf die kurzlebige Münchner Räterepublik.

Und hören auf eine Ballade aus jener Zeit. Böse!

https://www.youtube.com/watch?v=jbsxcceShng  :up:
It's gotta be purrfect!

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