Autor Thema: Der Islam  (Gelesen 5350 mal)

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Antw: Der Islam
« Antwort #50 am: 16.09.2019 12:02:30 »
Und schreibt unter Pseudonym...  :paper:
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Antw: Der Islam
« Antwort #51 am: 30.11.2019 14:16:09 »
Blicken wir auf das Haus des Islam um das Jahr 1000 bzw. 390  :-\.

Viele Kammern.

Viele unterschiedliche Bewohner.

Angestammte und - Neuzugänge.

Konvertiten, die ja oftmals einen besonderen Glaubenseifer an den Tag legen.

Das gilt in besonderer Weise für die Seldschuken. Ein kriegerisches Turkvolk aus der kasachischen Steppe, das mit der Zeit expandierte und sich dem sunnitischen Islam zuwandte.

Seinen Namen leitet das Volk (und seine Herrscherdynastie) von seinem legendären Anführer Seldschuk ab.

In seiner Bedeutung ist er (grob) mit dem Franken Chlodwig vergleichbar, dessen Glaubenseifer ja auch mit großen politischen Ambitionen einherging.

Aber das nur nebenbei.

Unter Seldschuks Nachfolgern ging die Expansion weiter. Tughrul Beg eroberte große Teile Persiens und den Irak. Vom Kalifen in Bagdad erhielt er den Titel eines Sultans und Beschützers der Gläubigen.

Das Volk aus der Steppe war nun die führende Macht im Nahen und Mittleren Osten.

Was auch die Byzantiner schmerzlich zu spüren bekamen.

In der Schlacht von Manzikert 1071 erlitten sie eine krachende Niederlage und verloren die Kontrolle über Anatolien.

Womit auch Konstantinopel (wieder einmal) akut bedroht war.

Grund genug für den Kaiser, sich nach Bundesgenossen umzusehen. Fündig wurde er im Westen Europas, wo der Papst sich erbarmte und den Kampf gegen die Muslime zur Chefsache machte.

Unter dem Motto "Gott will es" begann das Zeitalter der Kreuzzüge.  :'(
« Letzte Änderung: 30.11.2019 14:29:19 von De Wolf »
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Antw: Der Islam
« Antwort #52 am: 06.12.2019 12:57:57 »
Ach ja - die Kreuzzüge.

Wer macht sich da nicht alles auf den Weg?

Menschen, die mit Eifer dabei waren. Idealisten, Träumer, Visionäre.

Aber auch etliche arme Ritter, die zuhause kein Auskommen mehr fanden. Üble Haudegen. Verbrecher, die die Chance auf Sündenerlass und fette Beute witterten.

Einfache Leute, die hinter jeder Wegbiegung schon Jerusalem sahen - und Ungläubige zuhauf, die es zu bekämpfen galt.

Was bereits die jüdischen Gemeinden am Rhein zu spüren bekamen.

Später dann - Glaubensgeschwister aus dem Osten, die nicht als solche erkannt wurden.

Ein endloses Hauen und Stechen.

Dass die Kreuzfahrer tatsächlich das Heilige Land erreichten und Jerusalem eroberten - lag nicht zuletzt an Uneinigkeit der islamischen Welt.

Wie viele jüdische, christliche, muslimische Opfer das Unternehmen kostete, ist eine gute Frage.
Es gibt Berichte von christlichen Augenzeugen, die aber wie das Rolandslied der Propaganda dienten.
Also wird gerade bei den Zahlen entsprechend übertrieben.

Muslimische Quellen gibt es erst aus dem 12. Jahrhundert - geschrieben als Ermutigung zum Gegenschlag.

Der feierliche Dankgottesdienst aus Anlass der Eroberung ist aber nicht zu bezweifeln.  :( 

 
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Antw: Der Islam
« Antwort #53 am: 10.12.2019 14:10:23 »
Zu Beginn des 12. Jahrhunderts hatte sich das Königreich Jerusalem etabliert.

Outre Mer - wie es auch hieß. Also das Land jenseits des (Mittel-)meeres.

Aber wie konnte es sich behaupten? Umgeben von Feinden, die den ersten Schrecken überwunden hatten.

Zumal viele Kreuzfahrer der ersten Stunde ihre Mission erfüllt sahen und wieder heimkehrten.

Wer blieb - musste sich mit den Gegebenheiten des Landes anfreunden.

So wohnten die Lehensherren in relativem Komfort in Jerusalem. Und ließen ihre Güter von muslimischem Verwaltern und Pächtern bewirtschaften.

Mann heiratete eine einheimische Christin. Oder nahm sich eine Konkubine, die auch Muslima sein konnte.

Auch zur Verteidigung des Königreiches wurden einheimische Söldner rekrutiert, die sogenannten Turkopolen.

So entstand ein multikulturelles Staatsgebilde. Oder ein Apartheidstaat? Bei der die herrschende Klasse  auch die Annehmlichkeiten der fremden Kultur zu schätzen lernte.

Etwa das Wissen muslimischer (oder jüdischer) Ärzte.

Die Herren gingen baden. Fanden Gefallen an verfeinerten Speisen und edlen Gewürzen.

Sie lernten die Lud zu spielen. Den Vorgänger der Laute.

Populär wurde auch ein strategisches Brettspiel, bei dem es darum ging, den König (Shah) des Gegners auszuschalten (mot - tot).

Wobei die Christenmenschen im Westen solchen Fortschritt eher skeptisch sahen.

Erst recht die Mitglieder der Kreuzritterorden, wie der Templer.   

"Sie waschen sich selten." War als Kompliment gemeint.  :(       
« Letzte Änderung: 10.12.2019 14:12:00 von De Wolf »
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« Antwort #54 am: 10.12.2019 21:24:43 »
Um das Überleben OutreMers zu sichern, wurde um Unterstützung im Westen geworben.

Was den reichen Handelsrepubliken Venedig und Genua Privilegien und Profite einbrachte.

Zudem wurden im Laufe der Zeit (mindestens) sechs weitere Kreuzzüge ins Heilige Land unternommen.

Half nichts. Die Muslime setzten zum Gegenangriff an.

Brandgefährlich wurde die Situation, als ein kurdischstämmiger Feldherr namens Saladin Syrien und Ägypten vereinigte.

Balduin, der junge König von Jerusalem,  erkannte die Bedrohung und wäre gut beraten gewesen, eine diplomatische Lösung zu suchen.

Dummerweise machten ihm egoistische Vasallen einen Strich durch die Rechnung. Durch Angriffe auf muslimische Handelskarawanen und Pilger provozierten sie schließlich den Krieg - und eine vernichtende Niederlage.

Bei den Hörnern von Hattin - einer markanten Gebirgsformation am See Genezareth - ging der größte Teil der edlen Rittersleut unter.  :'(

1187 eroberte Saladin Jerusalem.

Zum Entsetzen der Abendländer, die gleich mehrere Heere mit prominenten Führern aufstellten . Allen voran der lobesame Kaiser Friedrich I Barbarossa (Rotbart), der - obschon ziemlich ergraut - zur Befreiung Jerusalems aufbrach...  :-\

 
« Letzte Änderung: 10.12.2019 21:36:12 von De Wolf »
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« Antwort #55 am: 11.12.2019 21:32:50 »
Ach ja Barbarossa. 

Am 11. Mai 1189 brach er von Regensburg aus auf. Unterstützt von etlichen Hochadligen und vielen Rittern und  Soldaten, sah alles zunächst nach einem Triumphzug aus.

Am ungarischen Hof wurden das Kreuzfahrerheer pompös empfangen und durch Neuzugänge verstärkt.

Auch die Serben zeigten sich gastfreundlich.

Der Durchzug durch das Byzantinische Reich und das Sultanat von Ikonium war diplomatisch wie logistisch bestens vorbereitet.

An der Grenze zu Byzanz angekommen - war alles ganz anders.

Der Kaiser Isaak II. Angelos verweigerte die vereinbarte Unterstützung und blockierte den Weg.

Warum diese Kehrtwende?

Vielleicht fürchtete er ja eine "feindliche Übernahme"?

Fakt ist: Saladin hatte heimlich ein Bündnis mit dem Byzantiner inititiiert, um den Neuankömmlingen das Durchkommen zu erschweren. 

So musste Friedrich Druck machen - bis die Byzantiner endlich einlenkten und das Heer einigermaßen versorgt nach Kleinasien übersetzten.

Hier warteten die Seldschuken.

Kurz: Der Weg durch Kleinasien musste hart erkämpft werden.

Versorgungsprobleme, Wassermangel und Hitze verschärften die Situation.

Am 10. Juni 1190 geschah die Katastrophe. Der Kaiser starb. Bei Seleucia am Taurusgebirge (auf der alten Siegerstraße Alexanders des Großen) ertrank er, als er den Fluss Saleph durchquerte.

Vielleicht wollte er sich auch erfrischen und erlitt einen Hitzschlag?

Jedenfalls war dieser unrühmliche Unfall zugleich das Ende des Kreuzzugs.
Die Begeisterung war dahin.
Viele Ritter fuhren demoralisiert nach Hause. Ein kleiner Rest erreichte das Heilige Land und unterstützte die Verteidiger.

Nun hieß es abwarten - denn neue Verstärkung aus Westeuropa kündigte sich an.  :-\ 
« Letzte Änderung: 11.12.2019 22:05:13 von De Wolf »
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« Antwort #56 am: 12.12.2019 19:03:50 »
Eine besondere Ironie der Geschichte:

Der Kaiser hatte einen Wahrsager über den Ausgang der Kreuzfahrt befragt.

Der hatte ihm den Tod durch Ertrinken angekündigt. Worauf der Kaiser den Landweg wählte...

Wenn diese Geschichte nicht wahr ist, so ist sie gut erfunden.

Aber auf dem Seeweg näherte sich tatsächlich ein weiteres großes Kreuzfahrerheer unter prominenter Führung.

Philipp II. von Frankreich und Richard Löwenherz, Herzog der Normandie und König von England.

Eine schwierige Konstellation. Denn die beiden waren schon in Europa Rivalen gewesen und blieben es auch jetzt.

Was eine nachhalttige Operation gegen die Muslime - gelinde gesagt - erschwerte...  :(     
« Letzte Änderung: 12.12.2019 20:35:21 von De Wolf »
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