Autor Thema: Der Islam  (Gelesen 12572 mal)

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Offline De Wolf

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Antw: Der Islam
« Antwort #25 am: 22.02.2019 20:17:35 »
Kommen wir zurück zur Fraktion Alis.

Fast 25 Jahre hatte sie auf ihre große Stunde gewartet.

Bei der damaligen Lebenserwartung beinahe ein Menschenleben. 

Aber jetzt war sie am Ziel.

Ali wurde Kalif. Und - war umstritten von Anfang an.

Zum einen, weil die Aufständischen ihn unterstützten und damit der Verdacht aufkam, er habe mit dem Tod seines Vorgängers zu tun.

Zum anderen, weil es es prominente Prophetengefährten und Verwandte gab (Aischa), die über Uthmans  Ableben nicht traurig waren - ohne deshalb Ali besonders zugetan zu sein.

Das schuf eine explosive Stimmung. Eine parteipolitische Gemengelage, die Alis Stellung kontinuierlich schwächte.

Als Anhänger versuchten, Gegner mit Waffengewalt zum Treueid zu bewegen - war der Bruderkrieg da.

Alis militärische Bilanz war durchwachsen.

Er verlor die Kontrolle über den reichen Jemen  und den Hedschas, das eigentliche islamische Machtzentrum  mit den Heiligen Städten Mekka und Medina.

Dafür stärkte er seine Position im Norden - im Raum des alten persischen Reiches.

Besiegte in einer legendären Schlacht die Leute Aischas.

Nur um kurz darauf - am 28. Januar 661 - einem Attentat zum Opfer zu fallen.

Nach Zeitrechnung der Muslime war das am 21. Ramadan des Jahres 40.

Also ausgerechnet im Fastenmonat, dem Neunten des islamischen Kalenders :o

Das Ergebnis?

Kurz gesagt.

Eine dauerhafte Spaltung der islamischen Gemeinde (der Umma - genau).

Hier die Mehrheit der Muslime. Die Sunniten, die "Orthodoxen", die Rechtgläubigen (zumindest nach eigenem Verständnis), die Alis Legitimation bis heute bezweifeln. (ahl as-sunna bedeutet Volk der Tradition)

Dort die Minderheit der Schiiten (bis heute die Mehrheit im Iran), für die - logisch - die ersten Kalifen nicht zählen.
(Ihr Eigenname bedeutet schlicht Fraktion, Partei oder Gruppe. Wobei - richtig - Ali zu ergänzen wäre.) >:D

Was am Ende der Zeiten aller Welt offenbart wird, wenn Ali zurückkommt,  um klare Verhältnisse zu schaffen.

Noch Fragen?  :-\
« Letzte Änderung: 22.02.2019 21:21:17 von De Wolf »
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Offline Bine05

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Antw: Der Islam
« Antwort #26 am: 22.02.2019 21:28:29 »
Ja. Glauben auch die Muslimen an eine Art "Tag des jüngsten Gerichts"? 
Man muss nicht perfekt sei. Ich bin es jedenfalls nicht - dafür aber echt! 🖤💛 Gäste können keine Bilder sehen , bitte registrieren or einloggen.

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Offline Sisterinheart

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Antw: Der Islam
« Antwort #27 am: 22.02.2019 22:11:46 »
Ja. Glauben auch die Muslimen an eine Art "Tag des jüngsten Gerichts"?

Und wie: https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCngster_Tag_%28Islam%29?wprov=sfla1

Mit Auferstehung und allem drum und dran....
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>:D  Oh Quizzus, oh Quizzus, gib mir meine Punkte wieder!  >:D



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Offline Bine05

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Antw: Der Islam
« Antwort #28 am: 22.02.2019 22:18:04 »
Oha. Der wird dann 50.000 Jahre andauern. Verstehen kann man das, da es viele Menschen gibt und gab. Allerdings.....besteht bis dahin der Planet Erde noch/immer noch? Aber gut. Es ist ja ein "Glaube" -kein "Wissen".
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Offline Abdou

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Antw: Der Islam
« Antwort #29 am: 23.02.2019 09:41:14 »
Das Leben auf der Erde ist für den Muslim nur eine Übergangsstation zum 'Jenseits'.
Zwei Engel notieren alles was ein Mensch in seinem Leben anstellt, diese detaillierte 'Biographie' wird einem dann von Gott nach dem Tod vorgelegt. Wenn die guten Taten überwiegen, kommt man ins Paradies, und wenn andersrum geht es in die Hölle.
Das Leben eines Muslims basiert also nur für das Paradies zu 'arbeiten'.

Und noch etwas: Was viele Menschen missverstehen und weswegen es auch leider aktuell diesen Hass gibt: Der Muslim kann trotz seiner Verpflichtungen gegenüber Gott ein freies Leben führen. Der Unterschied ist dass die Muslime den Koran wörtlich ernst nehmen (Wer über den Koran urteilen will soll ihn lesen) und das praktizieren was ihnen vorgegeben wird (Tut das ein moderner Muslim heutzutage noch? :-\ ).
Naja, mehr brauche ich dazu ja nicht sagen. Ich denke man kann sich denken was ich meine.
So mal grob für die Laien erklärt.
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Offline De Wolf

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Antw: Der Islam
« Antwort #30 am: 26.02.2019 20:57:10 »
Vielen herzlichen Dank für die Unterstützung bei diesem Brett.

Hab lange überlegt, ob ich mir das Thema zu eigen mache.

Mir ist klar, dass es zu Diskussionen einlädt, die weit über QD hinausgehen.

Aber gemeinsam werden wir es schon schaffen, manches in ein neues, klareres Licht zu rücken. :up:

« Letzte Änderung: 26.02.2019 22:01:14 von De Wolf »
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Antw: Der Islam
« Antwort #31 am: 26.02.2019 21:22:34 »
Es gibt ja Forschungen, die besagen, dass Religion eine echte Hilfe bei der individuellen Lebensgestaltung sein kann.

Eine positive Kraft zum Leben. Kern einer optimistischen Grundhaltung. Ich saach mal: Leben und leben lassen.

Dummerweise gibt es aber auch genug Belege, dass Religion im Großen zu gewaltigen Konflikten führen kann.

Ich denke, dass wird deutlich bei dem Zukunftshorizont der Schia, der apokalyptischen Szenarien der Bibel so ähnlich ist.

Recht verstanden steckt hinter solchen Apokalypsen eine positive Botschaft.

Mögen die Zeitläufe auch noch so verworren sein und das Unrecht triumphieren - am Ende wird alles gut

Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.  ;)

Womit auch die Auferweckung der Toten in den Blick kommt.

Die ultimative Chance auf einen Neubeginn, allen negativen Lebenserfahrungen zum Trotz.

Das war die Hoffnung, die Juden und Christen in Zeiten der Verfolgung half, den Mut nicht sinken zu lassen.

Vielleicht haben sich auch die Schiiten darauf besonnen, weil sie - subjektiv gesehen - Unrecht durch die Mehrheitspartei erfahren hatten.

Dass sie sich sagten: Am Ende der Zeiten kommt der große Erlöser und dann wird alle Verwirrung enden.

Spannend wird's natürlich, wenn so eine Lehre dazu benutzt wird, alle Ungläubige zu verdammen.

Wenn eine Drohkulisse aufgebaut wird, um die eigenen Leute bei der Stange zu halten.

Echte Gefolgsleute heranzuziehen, die - komme was wolle - bei der Stange bleiben, weil das ihre einzige Chance ist, dem finalen Weltgericht zu entkommen.  :baseball:

Da haben wir wir wieder die alte Gretchenfrage.

Verlassen wir uns auf unser Gefühl? Oder doch auf Namen, Lehrsätze, Glaubensformeln?

Warum wird Glaube immer wieder exklusiv verstanden?  Warum nicht - inklusiv? Mit Blick auf den Nächsten? Auch den fernen Nächsten?

Und damit weiter im Text - und "näher an QD"...  :up:

 
« Letzte Änderung: 26.02.2019 22:51:16 von De Wolf »
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« Antwort #32 am: 07.03.2019 21:27:57 »
Trotz aller Diskussionen und Kämpfe im Inneren.

Der Islam expandiert weiter. Und kann expandieren, weil er der großen Gemeinde und dem einzelnen Gläubigen keine komplizierten Glaubenslehren aufdrückt (wie das die Christen leider oft getan haben). Es geht im Prinzip um lebensnahe, alltagstaugliche Aufgaben, die der Gläubige zu erfüllen hat, um seinen Platz im Leben, in der Gemeinschaft der Gläubigen und vor seinem Gott zu finden.

Womit wir bei den fünf Säulen des Islam (Arkan) sind:

1. Der Schahada. Dem Bekenntnis zu dem einen Gott. Das den Muslim mit den Juden verbindet - und mit erheblichen Einschränkungen auch mit uns Christen.

Wichtig ist der arabische O-Ton des Bekenntnisses (Kalima), den schon das Kleinkind in die Wiege gelegt bzw. ins Ohr geflüstert bekommt.

Lā ilāha illā ʾllāh(u)
Muḥammadun rasūlu ʾllāh(i).

Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed ist sein Prophet.

Wer diese Worte dreimal vor muslimischen Zeugen ausspricht - ist Muslim.
So einfach und unbürokratisch ist der Eintritt.
Wobei ein Austritt schwierig bzw. nicht vorgesehen war (und ist)...  :-\
« Letzte Änderung: 08.03.2019 00:20:41 von De Wolf »
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« Antwort #33 am: 07.03.2019 21:29:22 »
Wobei Dissidenten, Apostaten, Renegaten es auch in anderen Religionen schwer hatten (und haben).   :'(
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« Antwort #34 am: 08.03.2019 12:35:26 »
Mindestens so wichtig wie das Bekenntnis ist

2. das Gebet (Salāt).

Und zwar 5 mal am Tag - vor Sonnenaufgang, am Mittag, Nachmittag, kurz nach Sonnenuntergang und vor dem Schlafengehen.

Dieses Gebet geschieht nach strengen Regeln.
Es beginnt mit einer rituellen Reinigung.
Gebetet wird natürlich in arabisch und in die richtige Richtung (Kibla).
Also nach Mekka, dem Zentrum des Glaubens.
Weshalb manche moderne Muslime Gebetsteppiche mit Kompass  haben.
Oder eine entsprechende App im Handy.  ;) 

Durch das Gebet bekommt der Tag eine feste Struktur und eine geistliche Dimension.
Ähnliches gibt es übrigens auch im Christentum. 
Denken wir an Martin Luthers  Morgen-, Mittags- und Abendgebet.
Oder an die Horen (Stundengebete) in den Klöstern (QD relevant die - Vesper).  O:-)
« Letzte Änderung: 08.03.2019 12:40:01 von De Wolf »
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« Antwort #35 am: 09.03.2019 13:00:54 »
Kommen wir 3. zu Zakāt. Der Armen- bzw Almosensteuer.

Das bedeutet: Reichere Muslime sind gehalten, an Ärmere zu denken und dafür zu sorgen, dass die Schere nicht immer weiter auseinander geht.

Alles natürlich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten, sprich der Leistungsfähigkeit, der Vermögenssituation, der Einkünfte.

Zwischen 2,5 und 10 Prozent des Einkommens/Vermögens sollte es aber schon sein. (QD-relevant ist der untere Richtwert.) 

Klingt nicht schlecht - oder? Diese soziale Komponente des Islam hat zu seiner langen Erfolgsgeschichte sicher viel beigetragen.  :-\
« Letzte Änderung: 10.03.2019 21:17:18 von De Wolf »
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« Antwort #36 am: 09.03.2019 13:07:15 »
Den Gedanken der sozialen Gerechtigkeit bzw. der Sozialgesetzgebung finden wir natürlich auch in den anderen Religionen.

Ein Link dazu?

https://de.wikipedia.org/wiki/Armenversorgung  :up:
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« Antwort #37 am: 10.03.2019 21:24:05 »
Punkt 4 ist

die Saum. Das Fasten im Monat Ramadan.

Und zwar in der Zeit zwischen Sonnenaufgang- und Sonnenuntergang. Neben Essen und Trinken ist auch Rauchen zu unterlassen. Ebenso - Sex.

Interessant ist, dass das Fasten in bestimmten Erdteilen leichter fällt als anderswo. Hängt davon ab, wie lange Tag ist.  :-\

Wer körperlich schwach oder krank ist kann vom Fasten Abstand nehmen. Schließlich darf der Gläubige keinen Schaden nehmen.  :up:

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« Antwort #38 am: 10.03.2019 21:26:00 »
Auch der Gedanke des Fastens ist aus anderen Religionen bekannt.

Ich saach mal:  Die christliche Aktion "Sieben Wochen ohne..."  ;)
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« Antwort #39 am: 11.03.2019 17:36:35 »
Schließlich und endlich 5.

Der Höhepunkt im Leben aller Gläubigen. Der Hajj (Haddsch): Die Wallfahrt nach Mekka mit Besuch der Kaaba und der Al-Harām-Moschee, die Raum für über 800 000 Menschen bietet.

Rücken alle eng zusammen, sollen es sogar eine Million sein. 

Die Hajj sollte Jede(r) einmal im Leben antreten.
Voraussetzung ist natürlich Gesundheit und ein gewisses Finanzpolster. 
Obwohl Reiche Bedürftigen auch hier unter die Arme greifen dürfen. 

Das Beeindruckende ist sicher, Muslime aus allen Teilen der Welt zu begegnen.
Alle in ein schlichtes weißes Gewand gekleidet, was soziale Unterschiede bedeutungslos werden lässt.

Allerdings bleibt die Reise trotz mittlerweile guter Logistik ein Abenteuer.
Vor allem Angesichts der Menschenmassen, die unterwegs sind (s.o.).

Der stolze Heimkehrer darf sich dann Hāddsch (Hadschi) nennen.
Die Frau Hāddscha. 
Ein Ehrentitel, auf den auch die Nachkommen stolz sind.

Wie die Geschichte eines gewissen Hadschi Halef Omar,
Sohn des Hadschi Abul Abbas
und Enkel des Hadschi Dawuhd al Gossarah beweist...  ;)




« Letzte Änderung: 11.03.2019 17:38:50 von De Wolf »
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« Antwort #40 am: 26.03.2019 16:50:00 »
Bleiben wir noch etwas bei Grundlagen des Islam.

Und kommen wir heut mal zur - Scharia.

Scharia bedeutet zunächst einmal die "geoffenbarte Religion" an sich.

Und dann, dass die Offenbarung auch Grundlage der allgemeinen Rechtsprechung ist.

Wobei das Verb scharaa (šaraʿa) soviel bedeutet wie: Den Weg weisen bzw. vorschreiben.

Gemeint ist der Weg zu einer Quelle im öden Land.

Welches der richtige Weg, muss immer wieder neu geklärt bzw. entschieden werden.

Wobei neben dem Koran auch Worte und Taten des Propheten (Hadith) und Kommentare bedeutender Rechtsgelehrter wichtig sind.

Alles zusammen ergibt die Sunna.

Insofern ist Scharia ein dynamisches Regelwerk.

Das Wort Gottes hat also durchaus eine Geschichte. Die muss studiert, interpretiert und ausgelegt werden.

Was Fundamentalisten natürlich (?) ausblenden, für die es nur einen Weg geben kann.

Nämlich den Eigenen.

Ähnlich ist es auch mit dem Judentum.

Wo der Schüler von seinem Lehrer (Rabbi) nicht nur die Thora bzw den Tanach, sondern auch die verschiedenen Auslegungen der Väter lernt.

Im Christentum ist es auch nicht viel anders.

Gerade im Katholizismus, wo neben der Bibel eben auch die kirchliche Tradition wichtig ist.

Aber das nur nebenbei...  ;)
 
« Letzte Änderung: 16.09.2019 11:45:08 von De Wolf »
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« Antwort #41 am: 08.04.2019 13:13:42 »
Kehren wir zurück zur islamischen Expansion.

Das byzantinische Reich verliert beständig an Größe.
Es wird letztlich auf Kleinasien zurückgeworfen. Verliert die Hälfte seiner Untertanen und entsprechend hohe Steuereinnahmen. 

Angriffe auf Konstantinopel können knapp abgewehrt werden.

In Nordafrika dagegen gibt es kein Halten mehr. 

711 wagt der Feldherr Tāriq ibn Ziyād den Angriff auf die iberische Halbinsel.

Bei einem markanten Berg, der folgerichtig den Namen Berg des Tarik (Djebel al Tarik) bekam und heute als Gibraltar bekannt ist.

Im selben Jahr bereits verliert Roderich, der König der Westgoten,  die Schlacht am Río Guadalete und mit dieser sein Reich und sein Leben.  :'(

In weiteren schnellen Feld- bzw Raubzügen (Razzien) erreichen die Muslime Navarra und damit die Pyrenäen.

Das Einzige, was sie bremst, sind Streitigkeiten über die Verteilung der Beute.  :motz:

Bald stoßen sie in den Süden und Westen Frankreichs vor.

Erst in der  Schlacht von Tours und Poitiers 732 gelingt es dem fränkischen Heerführer Karl Martell mit Hilfe von Aquitaniern, Langobarden, Sachsen und Friesen die Angreifer zu stoppen.

Die Schlacht wird - episch ausgeschmückt - zu einem Gründungsmythos Europas.  :reader:

Karl Martell bekommt den Titel "Retter des Abendlandes".

Der historische Befund ist eher - bescheiden.

Wahrscheinlich war das Ganze eher eine  weitere Razzia bzw ein Scharmützel unter vielen.
Es endete aber folgenreich.
Denn der muslimische Anführer Abd ar-Rahman fiel im Kampf.
Woraufhin seine frustrierten Männer den Rückzug in wärmere Gefilde antraten.  :(

A propos Mythos.

Etliche Moscheen in Europa tragen heute den Namen Tariks. Etwa die in Gelsenkirchen.

 Und die Doppelschlacht kennt man heute im islamischen Raum als „Schlacht der Millionen Tränen“.

Lassen wir das mal setzen... :-\

 
« Letzte Änderung: 08.04.2019 17:01:12 von De Wolf »
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« Antwort #42 am: 13.04.2019 21:17:51 »
Auch die Folgezeit ist von Konflikten gezeichnet. Denn Karl Martells Enkel, Karl der Große (der "Vater Europas"), frönte in seinen Kaiserpfalzen (Aachen)  keineswegs dem Müßiggang. Er vergrößerte und festigte das Frankenreich.

Errichtete etwa eine eigene Grenzprovinz gegen die Muslime: Die spanische Mark.

Im selben Atemzug aber - schickte er eine diplomatische Gesandschaft unter Leitung eines polyglotten Juden namens Isaak nach Bagdad  zum Kalifen Harun al Raschid.

Der Besuch wurde freundlich empfangen und reich beschenkt.

Als Isaak nach Jahren wieder heimkehrte, hatte er sogar einen echten Elefanten im Gepäck.

Ein wahrlich würdiges Geschenk unter Herrschern und zugleich ein unübersehbarer Hinweis auf den Reichtum und die militärische Stärke des Kalifats.

Wie geht das zusammen?

Die Doppelstrategie des Kaisers erklärt sich draus, dass er im Osten einen Bündnispartner gegen den byzantischen Konkurrenten suchte.

Während der gute (?) Harun den Muslimen in Spanien nicht gerade wohl gesonnen war.
Hatten die doch ein konkurrierendes Großreich errichtet.
Das Emirat und spätere Kalifat von Cordoba.
Damals die größte und modernste Metropole Europas... 
« Letzte Änderung: 13.04.2019 21:38:53 von De Wolf »
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« Antwort #43 am: 13.04.2019 21:18:34 »
Merke: Der Feind meines Feinde ist mein Freund.  :-\
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« Antwort #44 am: 13.04.2019 21:36:36 »
Bei einem Feldzug in Spanien geriet übrigens Karls Nachhut in einen Hinterhalt.   :o

Den hatten christliche Basken gelegt, um sich für Plünderungen zu revanchieren. Das war nun wirklich kein würdiges Verhalten unter Christenmenschen, aber - unter den Waffen schweigen bekanntermaßen die Gesetze.  :baseball:

In diesen Kämpfen kam auch ein Ritter namens Roland ums Leben.  :( 

Aus dieser eher unrühmlichen Episode wurde dreihundert Jahre später das Rolandslied, ein Nationalepos Frankreichs. 

Da war natürlich von den Basken keine Rede mehr.

Sondern davon, wie sich Roland mit  12 (!)  assortierten Recken bis zum letzten Mann gegen  abertausende Muslime behauptet.

Epischer Stoff. So recht nach dem Geschmack der Kreuzritter, die in dieser Zeit die Rückeroberung Spaniens  - die Reconquista - betrieben.

Aber das ist eine andere Geschichte...  :-\
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« Antwort #45 am: 03.08.2019 19:37:00 »
Womit wir zum Dschihad kommen.

Einem Wort, das in der Regel mit "Heiliger Krieg" übersetzt wird.

Der gerade jungen Muslims auf Sinnsuche von fragwürdigen "Lehrern" als DIE wahre Säule ihrer Religion verkauft wird.

Ist sie nicht. Und als "sechste Säule" durchaus umstritten.

Aber welche Bedeutung hat er? 

Das Wort ist im Koran und in der Sunna höchst vielschichtig konnotiert. Es umfasst im Grunde jede Anstrengung auf dem Weg Gottes und viele Formen des Einsatzes für die Ummah - die Gemeinschaft der Gläubigen.

Das hat es übrigens mit dem englischen Begriff Crusade gemeinsam, der neben dem "klassischen" Kreuzzug auch Missionsveranstaltungen beschreibt.

Es ist hier wie dort die Absicht zu spüren, den religiösen Eifer der Gläubigen in geordnete Bahnen zu lenken und im Einsatz von Gewalt feste Regeln zu etablieren.

Etwa den Krieg als Mittel zur Selbstverteidigung zu erlauben.

Mit - bescheidenem Erfolg.  :'(

So stehen Dschiihad und Kreuzzug in einer dramatischen Wechselbeziehung - bis heute...  :-\
« Letzte Änderung: 03.08.2019 20:09:14 von De Wolf »
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« Antwort #46 am: 03.08.2019 20:08:46 »
 :up:
Der Dschihad wie er heute existiert hat mmn. nix mit der Sharia zu tun, das berichten unter anderem Rückkehrer.
Das Wort ist sehr umstritten, und es wird vor allem heute oft miss- oder garnicht verstanden. Aber es symbolisiert irgendwie Gewalt im Kontext mit dem Islam, sodass es aktuell leider viele Menschen als DEN Beweis für die Bedrohung des Islam im generellen und die gewalttätigen Triebe der Muslime, benutzen.
Was natürlich völliger Quatsch ist...
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« Antwort #47 am: 03.08.2019 20:30:02 »
Danke Dir, lieber Abdou für Deine Ergänzungen.

Ein übles Beispiel ist die "Sippenhaft" die Muslime seit 9/11 erleben. Islam gleich Islamismus gleich Terror.

Prediger auf der anderen Seite malen derweil mit Blick auf "den Westen" den Satan an die Wand.

Das Bild ist komplex und es gibt nicht nur schwarz und weiß oder grau.

Ein interessanter Fall war der des irakischen Diktators Saddam Hussein, der zur Legitimation seiner Angriffskriege die Dschihadkarte zog.

Da hat ihm die hoch angesehene Fakultät der Kairoer Universität eine Abfuhr erteilt und das Unrecht beim Namen genannt. 

Respekt!  :up:
« Letzte Änderung: 03.08.2019 20:36:35 von De Wolf »
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« Antwort #48 am: 15.09.2019 20:34:00 »
Damit kommen wir zu einem weiteren Begriff, der im Abendland gewissen Assoziation auslöst.

Ich sage nur:  Salman Rushdie

Fatwa.

Was ist eine Fatwa? Das ist - schlicht und ergreifend - ein Rechtsgutachten, das Gläubige bei einem Rechtsgelehrten (Fiqg) oder einer religiösen Autorität (etwa einem Mufti) einholen.

Wobei die Rechtsverbindlichkeit der Auskunft davon abhängt - ob die Autorität anerkannt wird bzw. welches  Ansehen sie in der Gemeinde hat.

Im sunnitischen Islam ist das a bisserl schwierig, weil es hier einen Vielzahl von Rechtsschulen gibt.

Und kein übergeordnetes "Lehramt", das  das letzte Wort hätte...

Das kann dann in der Praxis bedeuten, dass zu einer Fatwa eine Ergänzende hinzukommt. Oder weitere. Und Experten dann einen Kompromiss ausarbeiten.

Oder - dass eine Fatwa verfasst wird, um eine besonders "islamische Politik"  zu unterstützen.

Ggf. auch - um Politikern Grenzen aufzuzeigen.

Wie das Anno 2000 / 1421 in Ägypten geschah, wo der Großmufti Scheich Nasr Farid Wassal eine Tabak-Fatwa erließ, um eine nationale Antiraucherkampagne zu unterstützen.

Es dürfte klar sein, wie sein Votum ausfiel. Und dass es Widerspruch durch andere Autoritäten gab.  :smoke:

Interessant ist auch der Fall, dass anläßlich der Fußball WM Anno 2006 / 1427 der iranische Staatspräsident Mahmud Ahmadineschad ankündigte, das strenge Stadionverbot für Frauen aufzuheben.

Das war wirklich eine steile Vorlage. Und die entsprechende Fatwa des Ajatollah Mohammad Fazel Lankarani ließ nicht lange auf sich warten.  >:D

Womit wir bei der schiitischen Glaubensrichtung angekommen sind. Und letztlich nochmal beim "Verfahren" in der Sache Rushdie...

Der hatte das Pech, mit seinen Satanischen Versen den Zorn des Ayatollah Chomeini zu erregen, der dem "Ketzer" per Fatwa den Tod androhte.

Und das war eine ernste Sache, weil bei den Schiiten die Ayatollahs tatsächlich Instanzen sind, deren Urteile allergrößte Achtung beanspruchen.

Wobei es da auch mal Kontroversen, oder gar Richtungs- und Machtkämpfe gegeben haben soll.

Nicht in diesem Fall.

Der unorthodoxe Schriftsteller brauchte erst mal Polizeischutz. Und lebt bis heute gefährlich. :(   



« Letzte Änderung: 15.09.2019 22:29:11 von De Wolf »
It's gotta be purrfect!

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Antw: Der Islam
« Antwort #49 am: 15.09.2019 20:46:53 »
Immerhin: Er lebt.  :reader:
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