Autor Thema: Die Bibel  (Gelesen 43745 mal)

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Offline De Wolf

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Antw: Die Bibel
« Antwort #350 am: 11.09.2020 20:47:38 »
Aber zurück nach zur Jerusalemer Urgemeinde, deren Anfänge Lukas in seiner Apostelgeschichte in den schönsten Farben malt.

Ein harmonisches Miteinander und Füreinander.

Dazu ständig steigende Zahlen an neuen Gemeindegliedern.

Haach...  [SiS42]

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Antw: Die Bibel
« Antwort #351 am: 11.09.2020 20:58:53 »
Wer zwischen den Zeilen liest, erkennt allerdings, dass es einige organisatorische Probleme gibt. Petrus und Co. wachsen die Aufgaben über den Kopf. Die Gemeinde leiten, Kranke heilen (QD-relevant) und sofort eine Missionspredigt halten - das kostet Zeit und Kraft.

Schwierig gestatet sich auch die Eingliederung von hellenistisch geprägten Judenchristen aus der Diaspora. Ein Clash der Kulturen.  :'(

Die Apostelgeschichte beschreibt einen scheinbar einfachen Lösungsweg. Arbeitsteilung. 
Die Apostel behalten ihre Leitungsfunktionen, lehren und predigen. Die frischen Kräfte bekommen wichtige diakonische Aufgaben übertragen.

Unter ihnen ein vielversprechender Mann namens Stephanus, dessen Geschichte zeigt, dass "es" so einfach nicht war.  :-\ 
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Antw: Die Bibel
« Antwort #352 am: 11.09.2020 21:08:14 »
Stephanus ist nämlich auch ein geschliffener Redner und ein feuriger Prediger.

Das hat zur Folge, dass er von einer erzürnten Menge jüdischer Eiferer gelyncht bzw. gesteinigt wird.   :'(

In dieser Erzählung (Apostelgeschichte Kapitel 7/8) lesen wir zum ersten Mal einen Namen, der für die weitere Geschichte des Christentums größte Bedeutung hatte.

Saulus. Bzw. Paulus.   :reader:   
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Antw: Die Bibel
« Antwort #353 am: 21.09.2020 21:02:59 »
Durch die Apostelgeschichte und seine Briefe wissen wir recht viel über ihn. Sprichwörtlich ist seine Wandlung von Saulus zum Paulus. 
Vom religiösen Hardliner und Christenverfolger zu DEM Apostel und Missionar der Nichtjuden, dem Netzwerker der frühen Kirche.

Dieses Wende fand vor Damaskus statt, wo Saulus im Auftrag des Hohen Rates Christen aufspüren und festsetzen sollte.

Diese Darstellung gibt Fragen auf. Wie war das möglich? Ging das überhaupt?
Unter den Augen der dortigen römischen Provinzialverwaltung?

Mich erinnert dieses Vorgehen etwas an die Religionsbehörden moderner Potentaten, deren Arme auch sehr lang sind.
Dissidenten mögen ins Ausland fliehen.
Aber auch da müssen sie Agenten und Spitzel fürchten. 

Wie auch immer. Der Mann begegnet dem Auferstandenen, der ihn "umdreht". Seitdem sieht er sich als Apostel, der den Anderen - den Freunden Jesu - auf einer Augenhöhe begegnet.

Das Ereignis ist so bedeutsam, dass der Verfasser der Apostelgeschichte es gleich dreimal erzählt (Apg 9,3–19; 22,6–16 und 26,12–18).

Selbstzeugnisse finden wir an etlichen Stellen der Paulusbriefe, etwa im 1. Korintherbrief 15,9 oder im Brief an die Galater (1,16) die sein Apostolat infrage stellen.

Interessanterweise bleibt Saulus noch lange ein solcher. Zu einem "Paulus" wird er erst - als er seinen Missionsdienst in der Völkerwelt aufnimmt.

In Apostelgeschichte 13, 6ff. wird berichtet, dass Paulus mit Weggefährten einen hohen römischen Beamten namens Sergius Paulus bekehrte. 

Hat er sich mit seinem Namenswechsel auf den Mann berufen? War der Römer ein Förderer, der für gute Referenzen sorgte?

Es war jedenfalls nichts ungewöhnliches, dass sich weltoffene Juden - Grenzgänger -  einen Namen suchten, der für die Gojim ( die Nichtjuden bzw. Heiden)  einen guten Klang hatte.

So wurde aus einem Mann namens Ignatz Nachum Gidalewitsch ein Nachum oder Tim Gidal.
Ein bekannter Fotograf, Journalist, Lehrer und Pionier des modernen Fotojournalismus.

Während ein ungarischer Jude namens Ferenc Hoffmann bei seiner Einwanderung nach Israel zu - Ephraim Kishon wurde. 

Aber das nur nebenbei...  ;)






   

   
 
« Letzte Änderung: 06.10.2020 21:55:14 von De Wolf »
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Antw: Die Bibel
« Antwort #354 am: 06.10.2020 18:10:02 »
Aber zurück zu Paulus.

Was qualifiziert ihn neben seiner Berufung durch Jesus dazu, DER Apostel der Völkerwelt zu werden?

Einiges:

Er ist ein Grenzgänger von Anfang an.
Er ist Diasporajude.
Er stammt aus der kleinasiatischen Stadt Tarsus.
Er spricht (und schreibt) ein gepflegtes Koinegriechisch.
Anders als etwa der Verfasser der Offenbarung, bei dem in jedem Satz das Aramäische durchklingt.

Paulus kennt die Denkweise der "Heiden", ihre Kultur und ihre Philosophie.

Zudem stammt er aus einer hochprivilegierten Familie.

Schon seine Eltern waren römische Bürger.
Das half ihm immer wieder im Umgang mit römischen Behörden.
Ein "Cives Romanus" hatte Anspruch darauf, nach römischem Recht behandelt zu werden.
Er durfte nicht einfach eingesperrt oder einer Körperstrafe unterzogen werden. 

Sicher:  Paulus wurde immer wieder von seinen jüdischen Gegnern der Ruhestörer bezichtigt.
Mehr als einmal bekam er Synagogenstrafen, etwa Prügel (Die Vierzig minus Einen).
Das war eine interne Angelegenheit. 
 
Aber wenn sein Fall vor den Statthalter kam, konnte sich Paulus stets auf sein besonderen Status berufen und notfalls verlangen, dass sein Fall vom Kaiser höchstpersönlich entschieden wurde.

In höchster Not tat er das auch - weshalb ihn seine letzte Reise nach Rom führte... 
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