Autor Thema: Die Bibel  (Gelesen 37188 mal)

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« Antwort #325 am: 30.05.2020 20:25:17 »
Wir sehen den Tempel. Das ultimative Prestigeprojekt Herodes des Großen.

Und wir sehen in direkter Nachbarschaft eine Festungsanlage, die er nach seinen langjährigen Gönner Marc Anton - Antonia nannte.

Ein imponierender Bau, in dem zu Jesus Zeiten die römische Garnison stationiert war. Besatzungstruppen, die für Ruhe und Ordnung sorgten. Im Falle von Unruhen Stadt und  Tempel "sicherten".

Trotz des abweisenden Äußeren bot das Festungsinnere einigen Komfort und so bot  sich der Komplex auch als (zeitweilige) Residenz des römischen Statthalters an.
Dessen eigentliche Machtzentrale war zwar im hellenistisch geprägten Cäsarea Maritima.
Zu besonderen Zeiten kam er aber nach Jerusalem, um nach dem Rechten zu sehen.

Etwa zu Pessach, wenn die Stadt von Pilgern überfüllt war, die das Fest der Befreiung feierten.

Was sagt uns das mit Blick auf die Akte Jesu?

Die jüdischen Autoritäten hatten zwar ein gewisses Maß an religiöser Autonomie. Politisch waren ihnen aber enge Grenzen gesetzt. Gerade im Fall eines politisch motivierten Todesurteils, das nur der Statthalter verhängen konnte.

Das er sogar verhängen mußte, wenn der römische Frieden gestört wurde.  :nunchaku:

So wurde Jesus zu Pilatus gebracht. Aus dem Messias der kleinen Leute wurde ein gefährlicher Thronprätendent und Aufrührer.  :o

Das machte sicher Eindruck.

Aufruhr war schließlich eine der schwersten Straftaten überhaupt, für die eine entsprechend harte Strafe vorgesehen war.

Der Tod am Kreuz...  :'(




 

« Letzte Änderung: 30.05.2020 20:36:41 von De Wolf »
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« Antwort #326 am: 03.06.2020 15:05:29 »
Dabei erkannte der Statthalter - ein gewisser Pontius Pilatus - genau, dass er einen Unschuldigen hinrichten sollte.
Er weigerte sich also, seinen Part in dem Komplott zu spielen und versuchte - trotz erheblichen psychischen Drucks durch "die Juden" - Jesus zu retten.
Um die Blutgier der Ankläger zu befriedigen, übergab er Jesus seinen Kriegsknechten, die ihn geißelten und mit einer Dornenkrone schmückten.  :'(
Pilatus besann sich sogar auf einen alten Brauch und bot dem versammelten Mob an, einen von zwei Gefangenen freizulassen.
Der zweite war ein Mann Namens Bar Rabbas, ein kriminell-gefährlicher Widerstandskämpfer.  :o

Kaum vorstellbar, dass die Wahl auf ihn fallen würde.  Aber genauso kam es.  :'(



 
« Letzte Änderung: 14.06.2020 15:25:49 von De Wolf »
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« Antwort #327 am: 03.06.2020 15:06:23 »
Aber vielleicht war ja alles doch - etwas anders?   :-\
« Letzte Änderung: 14.06.2020 14:43:20 von De Wolf »
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« Antwort #328 am: 05.06.2020 12:15:06 »
Diese Darstellung des Pilatus verdanken wir - natürlich - den Evangelien. Die ja keine objektiven Fakten liefern, sondern diese aufbereiten, um ihrem Ziel gerecht zu werden.

Menschen aller Völker diesen Glauben nahezubringen.

Oder zumindest Gegner und Skeptiker davon zu überzeugen, dass dieser keine Bedrohung darstellt.  O:-)

Was aber sollte die römische Staatsmacht - oder die Gebildeten - von einer Gemeinschaft halten, deren Herr ein Gekreuzigter war?  :o

Wenn aber Pilatus feststellt, dass er keine Schuld an Jesus findet - dann sind auch seine Anhänger exkulpiert. Genau wie der geplagte Statthalter, der "seine Hände in Unschuld wusch".

Die Schuld müssen dann andere tragen. "Die Juden", von denen sich die junge Christenheit ohnehin entfremdete.

Wer konnte die verhängnisvollen Folgen diese Darstellung erahnen?  :'(

« Letzte Änderung: 05.06.2020 13:50:39 von De Wolf »
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« Antwort #329 am: 05.06.2020 12:26:59 »
Zwischen den Zeilen gibt es allerdings Hinweise, wie Pilatus die Sache sah.

Er läßt bekanntermaßen eine Tafel mit einer Inschrift verfassen, die er über dem Kreuz befestigen ließ.

Jesus Christus, König der Juden.

Lateinisch: Jesus Christus Rex Judaeorum.

Abgekürzt: INRI.

Die Absicht ist klar. Pilatus gibt nicht nur Jesus der Verachtung preis. Er führt einen Seitenhieb gegen die jüdischen Oberen und das Volk. "Was sagt ihr nun - zu diesem Bild von einem König?"

Klar, dass die Oberen sich beschweren. "Schreib, er hätte gesagt: Er wäre der König der Juden." (Lass es nicht aussehen, als wäre das ein Fakt!) 

Pilatus knappe Antwort zeigt die Arroganz der Macht. "Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben!" 
« Letzte Änderung: 05.06.2020 12:29:11 von De Wolf »
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« Antwort #330 am: 05.06.2020 12:54:28 »
Auch historisch gibt es Hinweise, dass Pilatus in erster Linie ein Machtmensch war. Oder - ein Diener der Macht!

So tat er einen Griff in die Tempelkasse, um eine Wasserleitung zu finanzieren. Er zeigte also den "Provinzlern" wo der Hammer hängt.
Nach der Devise: Fortschritt hat nun mal einen Preis.  :o

Dieses eigenmächtige Verhalten führte zu einer Anzeige in Rom - die allerdings folgenlos blieb.

Erst nach zehn langen Dienstjahren überspannte er den Bogen. Ein neuer Messias war erschienen und hatte seine Anhänger zu einem Protestmarsch eingeladen. Pilatus witterte Aufruhr und - richtete ein Massaker an. 

Wieder gab es eine Beschwerde  an höchster Stelle.

Das Wunder geschah. Dieses Mal reagierte der Kaiser Tiberius tatsächlich. Pilatus wurde abgesetzt.
Aber die lange Amtszeit zeigt: Der Mann hatte sich "bewährt" und gute Arbeit geleistet. Zumindest aus römischer Sicht...  :'(
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« Antwort #331 am: 07.06.2020 15:15:29 »
Dann kommen wir schweren Herzens zum dem schwarzen Freitag, an dem Jesus auf Golgatha hingerichtet wurde.

Bis heute machen sich ja Christenmenschen auf den Weg nach Jerusalem, um dort Jesus Leidenweg, die Via Dolorosa,  entlangzugehen.  :(

Von der ersten Station - an der Stelle, wo früher die Antonia war - bis zu den Letzten in der Grabeskirche.

Dabei wird es vielleicht wundern, dass Kreuz und Grab im selben Gebäude verortet werden. Aber - das alte Jerusalem war klein und die Wege recht kurz.

Aber zurück zu der "Schädelstätte", wie  Golgatha zu übersetzen ist.

Ein treffender Name für so einen Ort. Wobei er ihn sicher auch wegen seines markanten Aussehens bekam. Er bestand aus weichem, hellem Kalksandstein, bei dem Regenwasser tiefe Löcher frisst und bizarre Formen ausbildet.

Hierzu ein kleiner Link.

https://www.diebibel-diewahrheit.at/304.html  :-\

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« Antwort #332 am: 07.06.2020 15:15:54 »
Wollt Ihr wirklich wissen wie eine Kreuzigung abläuft?  :-\

Ich erspare Euch eine detaillierte Beschreibung.

Nur soviel. Das römische Recht kennt keine Vorschriften zur Durchführung.

So konnte das Kreuz ein einfacher Pfahl sein. Ein T-förmiges Konstrukt oder ein Andreaskreuz. Das war dem Hinrichtungskommando überlassen.

So konnte es passieren, dass ein Henker in einem Anfall von verquerem Humor den Verurteilten verkehrt herum aufhing. Wie das wohl bei Petrus geschah.  :o

Zum Prozedere gehörte auch, dass die gelangweilten Soldaten Wetten auf ihre Opfer machten. Wer hielt am längsten durch?

Dabei war klar, dass die Art der Fixierung den Prozess beeinflusste. Kamen "nur" Seile zum Einsatz - oder zusätzlich Nägel? Wie das bei prominenten Verurteilten der Fall war... 

Zudem war am Kreuz in aller Regel ein kleiner Sitz aus Holz befestigt, der Halt gab und - das Leiden verlängerte.

So oder so.

Der Tod war unausweichlich und die Ursache Kreislaufversagen. Wobei Opfer mit guter körperlicher Verfassung Tage durchhielten.

In Ausnahmefällen kam es vor, dass jemand die Kreuzigung überlebte. Wenn ein prominenter Fürsprecher eine Begnadigung erwirkte. Auch dann war nicht abzusehen, ob der Gerettete sich von den Strapazen erholte.

Sonst war die Hinrichtungsart totsicher. Die Chance, dass jemand scheintot von Kreuz abgenommen wurde - nicht gegeben.

Auch nicht bei Jesus, der um die neunte Stunde starb. Um drei Uhr nachmittags also, da der Tag mit dem  Morgengrauen begann.

Das Leiden dauerte also "nur" ein paar Stunden. Und der Tod war objektiv eingetreten. Sonst hätte man mit Blick auf das nahende Pessachfest "Sterbehilfe" geleistet. Das geschah, indem die Beine gebrochen wurden und der Körper durchsackte. Ein letzter schmerzhafter Akt, den die beiden Mitgefangenen erlitten. 

Was mit ihnen geschah, wissen wir nicht.

Üblicherweise ließ man die Verurteilten hängen.

Jesus allerdings wurde postum eine besondere "Gnade" erwiesen. Dank prominenter Fürsprecher im Hohen Rat  bekam er ein ordentliches Begräbnis.

Womit die Akte geschlossen schien...  :-\




 
« Letzte Änderung: 07.06.2020 16:18:45 von De Wolf »
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« Antwort #333 am: 08.06.2020 16:20:19 »
Damit kommen wir zur Auferstehung Jesu am dritten Tage.

Wobei der Freitag in der altkirchlichen Zählweise als erster Tag gilt. Sonst würden wir Ostern wohl Montags feiern. ;)

Vielleicht noch ein paar Worte zu diesem Geschehen, das den christlichen Glauben begründert hat und ohne das es sicher keine Kirche gäbe?

Interessant ist die Erzählung vom leeren Grab. Daran ist nicht zu zweifeln.
Jerusalem war trotz imponierender Bauwerke eher provinziell. 
Die Vorstellung, dass die Jüngergemeinde diese Geschichte erfunden hätte, ist einigermaßen absurd.
Das Hohngelächter über diese AltFacs wäre bis nach Cäsarea zu hören gewesen.

Wenn das leere Grab aber Fakt ist - ist es ein Beweis für die Auferstehung? Leider nein.
Fakten bedürfen der Auswertung bzw. der Interpretation.
Die aber kann verschieden  aussehen.
So gibt es bis heute Gläubige und Zweifler...  :-\

Interessant ist, dass nach biblischen Darstellung die ersten Zeugen der Auferstehung Frauen waren.
Das war sicher so.
Denn: Darauf müsste mann erst einmal kommen.  ;)
Schließlich hat das Zeugnis von Frauen in patriarchalischen Gesellschaften einen geringeren Stellenwert als das von Männern.  :( >:D
Wäre also Ostern eine fromme Erfindung der jungen Kirche, die Zeugen wären natürlich - die Jünger gewesen.
Die aber hatten Angst sich zu outen und hielten sich erst einmal bedeckt.
Frauen dagegen konnten sich eher hinauswagen. Ihnen nahm man die Rolle der trauernden Grabpflegerinnen ab.
Was sie aber "objektiv" gesehen haben - steht auf einem anderen Blatt.

Wie es der Aufklärer Lessing im Kampf gegen seine orthodoxen Gegner schrieb.
Historische Wahrheiten ("Fakten") können keine Grundlage für Vernunfts- oder Glaubenswahrheiten sein.

Was den Glauben begründet, ist der Beweis des Geistes und der Kraft.

Am Anfang der  Kirchengeschichte stehen tatsächlich die ersten Zeugen.
Frauen und Männer, die etwas erlebt haben, was ihr ganzes Leben in ein neues Licht rückte.
Die am Ende waren und neu anfingen.
Die Mut fassten, anderen von ihrem Glauben erzählten.
Die (QD-relevant) Mission betrieben. ;)

Sich auch von Spöttern, Skeptikern und Zweiflern nicht aufhalten ließen.

Das wirkt weiter - bis heute!  :up:

 

 
 
« Letzte Änderung: 27.06.2020 13:26:14 von De Wolf »
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« Antwort #334 am: 27.06.2020 13:25:12 »
In diesem Zusammenhang vielleicht eine Literaturempfehlung.

Sören Kierkegaards "Philosophische Brocken".
Ein grundlegendes Werk der Existenzphilosophie.
Wo er den Glauben als das beschrieben hat, was er von Anfang an war:
Ein existenzielles Ereignis.

Das wird auch im Johannesevangelium deutlich. Dieses ist gegen Ende des ersten Jahrhundert u. Z. entstanden, als die zeitliche Distanz zum historischen Jesus immer  größer wurde.

Entsprechend werden auch die Wunder existenzial interpretiert.
In Form von "Ich bin" Worten Jesu, die dem Geschehen eine überzeitliche Bedeutung geben.

Ein besonderes Beispiel ist auch die Geschichte des ungläubigen Thomas.

Als der Freundeskreis dem Auferstandenen erstmals begegnet - ist er nicht dabei.
Was die anderen ihm erzählen, genügt ihm nicht.
Er will Jesus mit eigenen Augen sehen und die Wundmale inspizieren.

Als Jesus ihm tatsächlich erscheint und ihn anspricht, ist davon keine Rede mehr. Thomas sieht ihn, glaubt was er sieht und bekennt sich zu seinem Herrn und Gott!

Und Jesus bringt die Sache auf den Punkt. Mit einem Wort, das bis heute gilt.

Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. 

Das wird oft als unkritisches "Für wahr halten" verstanden.
Dabei geht es um lebensverändernde Erfahrungen, die zu jeder Zeit und an jedem Ort möglich sind.  :up:
« Letzte Änderung: 27.06.2020 13:27:44 von De Wolf »
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