Autor Thema: Die Bibel  (Gelesen 18762 mal)

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« Antwort #150 am: 03.12.2018 22:17:42 »
Vielen Dank für diese Ergänzung.

So zeigt diese eindrückliche Szene Babel noch einmal (mit Daniel gesprochen) als "Koloss auf tönernen Füßen".  :reader:
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« Antwort #151 am: 03.12.2018 23:59:20 »
Wobei die Zeit des Exils das Judentum nachhaltig geprägt hat.

Sie bringt zunächst einmal eine massive Aufwertung der Schriftpropheten.

Wurden sie in der Königszeit als kleine Zahl nerviger Kritiker und Schwarzseher abgetan, gibt die Katastrophe  ihnen letztlich recht.

So werden ihre mahnenden Worte integraler Teil des theologischen Mainstreams bzw. des biblischen Kanons.

Allen voran Jeremia (QD-Playern als weinender Prophet bekannt), der den  Exilierten empfiehlt, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen und "der Stadt bestes zu suchen".

Also gerade nicht nach Sektenart den Weg der Abschottung, der "Alienation" zu gehen.

Die Begründung, sich so weit als möglich zu integrieren, ist dabei recht pragmatisch.

Geht es Babel gut - dann profitiert auch die Gemeinde der Exilierten davon.

Wie zahlreiche Erfolgsgeschichten beweisen.

So finden sich in babylonischen Bankarchiven Namen jüdischer Investoren. 

Ein erfolgreiches Bankhaus - Egibi und Söhne - war sogar in jüdischer Hand.

Ein Schuft, wer schlechtes dabei denkt.  :up:

Eine dieser Geschichten hat sogar Eingang in  die Bibel gefunden.

Die des jungen, seherisch begabten  Daniel und seiner Freunde, die Karrieren im babylonischen Staatsdienst machen.

Letztere  allerdings unter neuen (QD-relevanten) Namen:  Schadrach, Meschach und Abed-Nego.  ;)
« Letzte Änderung: 06.03.2019 01:35:09 von De Wolf »
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« Antwort #152 am: 04.12.2018 13:47:28 »
Wobei es bei aller Bereitschaft zur Integration Grenzen gibt. Nämlich da, wo es um die Verehrung der fremden Götter geht.
Oder - konkreter - um die jüdischen Speisegebote.

So weigern sich die jungen Männer von der Tafel ihres Dienstherrn zu essen und halten sich statt dessen eisern an eine Diät aus Wasser und Gemüse.

Die ihnen wider erwarten gut bekommt.  :essen:

Später sollte Daniel aufgrund seiner Frömmigkeit in größte Schwierigkeiten kommen.

Weil er betet, statt sich mit seinen Anliegen and den König zu wenden, landet er in der berüchtigten Löwengrube.  :o

Wobei - oh Wunder - die Tiere das Maul halten.

Seltsam? Aber so steht es geschrieben. Klar: Zur Ermutigung der Gläubigen in Zeiten der Verfolgung...  O:-)  :baseball:
« Letzte Änderung: 09.12.2018 20:06:52 von De Wolf »
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« Antwort #153 am: 04.12.2018 15:35:31 »
habe diese Rubrik erst jetzt entdeckt! habe alles nachgelesen und finde sie toll :),
werde jetzt regelmässig mitlesen , hab die Bibel vor etlichen Jahren mal gelesen - leider vieles wieder vergessen , Auffrischung tut da gut
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« Antwort #154 am: 08.12.2018 23:09:11 »
Dankeschön für Dein Feedback.  :winke:
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« Antwort #155 am: 21.12.2018 21:38:49 »
Dann machen wir mal weiter und stellen uns die Frage: Welche Folgen hatte das Exil für die Juden?

Zunächst einmal regiert das Volk sehr menschlich. Es wünscht Babylon die Pest an den Hals und sehnt die Stunde herbei, in der die arrogante Weltenherrscherin ihrer Macht entkleidet wird.

Auch Propheten, die die Politik früherer Zeiten äußerst kritisch sahen, zeigen jetzt Verständnis. Ich sage mal: Die Klagelieder des Jeremia (die wohl von einem Zeitgenossen und Augenzeugen der Katastrophe verfasst wurden).

Damit ist aber noch lange nicht Schluss mit der  "Vergangenheitsbewältigung".

So spricht Jeremia von einem Neufang im Zeichen eines "Neuen Bundes" Gottes mit seinem Volk. (Jer. 31.31)

Und Hesekiel hat eine Vision, in der ein Totenfeld zu neuem Leben erwacht. Eine der frühesten Stellen, in der explizit von der Auferstehung der Toten gesprochen wird - wenn auch "nur" als Bild für den ersehnten politischen Neubeginn. (Ez. 37.1ff.)

A propos Politik. Langsam kommt der Gedanke auf, dass mit dem Scheitern der Davidsdynastie nicht das letzte Wort gesprochen ist.

So richten sich die Hoffnungen auf einen Knecht Gottes, von höchster Stelle  gesandt, um der ganzen Welt Heil (Schalom) zu bringen.

Zum Ausweis seiner Legimation wird er - wie einst David - zum Gesalbten des Herrn. Was hebräisch Meschiach (Messias) und griechisch Christus heißt.

Hier geschieht eigentlich die ganz große religionsgeschichtliche Wende.

Die Juden verstehen sich mehr denn je als Gottes Volk.

Das Exil war ein Gericht Gottes, der als Herr der Völkerwelt Babylon (!) als Werkzeug benutzte.

Die anderen Götter dagegen - Marduk und Co. - die eben noch überlegen schienen, werden als ohnmächtige Götzen verspottet und entthront.

Sind gewissermaßen Holzköpfe oder Tinnef - je nach Material, aus dem sie geschaffen sind.

Was eben noch als Sackgasse bzw. Endstation der eigenen Geschichte angesehen wurde - wird jetzt zum Ausgangspunkt einer universalen Heilsgeschichte, an der alle Völker Anteil bekommen sollen.

Da muss man erst mal drauf kommen.  ;)

« Letzte Änderung: 06.06.2019 14:53:02 von De Wolf »
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« Antwort #156 am: 21.12.2018 21:43:50 »
Etwas Musik zur stillen Kontemplation (Besinnung) ?  :up:

https://www.youtube.com/watch?v=yGbXPvWR79o
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« Antwort #157 am: 26.12.2018 13:09:16 »
Das sind nicht die einzigen Veränderungen, die das Gottesvolk durchmacht. 

Mit der Zerstörung des Jerusalem Tempels als religiösem und politischem Zentrum sehen sich die Anhänger der Propheten im Recht, die den gigantischen Kultbetrieb der Königszeit mit seinen unzähligen Opfern an Tieren und Weihrauch äußerst  kritisch sahen.

Es setzt sich die Erkenntnis durch, dass Gott soziale Gerechtigkeit will ("Barmherzigkeit") und keine Opfer (Hosea 6,3-6).

Das bleibt auch so, als der Wiederaufbau beginnt.

Die Juden fahren nun gewissermaßen zweigleisig.

Neben den Priester mit entsprechendem Stammbaum tritt der Schriftgelehrte aus dem Volk, der sich um die lebensnahe Auslegung von Gottes Weisung bemüht.

Anders gesagt:

So entsteht peu a peu der synagogale Wortgottesdienst.

Wo jeder erwachsene jüdische Mann eingeladen ist, mitzuwirken also  - Lesung und Predigt zu übernehmen.

Was dann im Laufe der Zeit noch präzisiert wird.

So braucht es z.B. 10 erwachsene Männer zu einem "richtigen" Gottesdienst. 

Und erwachsen bzw. religionsmündig ist der Junge mit der Bar Mitzvah - der "jüdischen Konfirmation".  :reader:





« Letzte Änderung: 05.03.2019 17:58:01 von De Wolf »
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« Antwort #158 am: 26.12.2018 13:09:41 »
Und was ist mit den Mädels?  :-\
« Letzte Änderung: 26.12.2018 13:13:07 von De Wolf »
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« Antwort #159 am: 26.12.2018 13:12:52 »
Richtig. Beim neuzeitlichen Reformjudentum stellt sich auch die Frage der Emanzipation. Womit in fortschrittlichen Gemeinden die Bath Mitzvah für die Mädchen entstand...

Wobei die Begriffe für "Sohn" oder "Tochter der Gebote" stehen.  :up:
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« Antwort #160 am: 05.03.2019 17:05:18 »
Aber zurück zur jüdischen Geschichte.

Auf das Neubabylonische Reich folgt bekanntermaßen (?) das der Perser.

Diese sind die erste indoeuropäische Großmacht der Geschichte, womit die des Alten Orients endet.

Die Juden haben diese Zeit des Umbruchs immer wieder bedacht und - verarbeitet.

Etwa im Buch Esther.

Das erzählt die fiktive Geschichte eines Perserkönigs, der auf Brautschau geht.

Erfolgreich, denn am Ende steht die Hochzeit mit der wunderschönen und couragierten Esther, die Jüdin ist.

Was sie aber nicht publik macht.

Eine kluge und folgenreiche Entscheidung.

Denn am weltoffenen, religiös toleranten Königshof gibt es immer noch Menschen, die diesen Volk feindlich gesinnt sind.

Allen voran Haman, ein übler Strippenzieher, der Zugang zum König hat und nur auf seine Stunde wartet.

Die schlägt auch. Nur anders als gedacht.

Denn auch die Königin macht ihren Einfluss beim Herrn Gemahl geltend. Somit kann der geplante Anschlag auf die Gemeinde vereitelt werden.

Das ist Hamans Ende.

An das bis heute das Fest Purim erinnert.
Ein Fest der puren Lebensfreude, das viel mit unserem Fasching gemein hat.
Wenn mit denen "da Oben" humoristisch abgerechnet wird.

Oder mit Halloween.
Wenn Kinder sich verkleiden und von den Großen Süßes fordern.

Lust auf eine kleine Lektion hebräisch?  ;)

Chag Sameach. Schlachmones! Zu deutsch: Frohes Fest - (her mit dem ) Süßzeug!  :))
« Letzte Änderung: 05.03.2019 17:59:22 von De Wolf »
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« Antwort #161 am: 01.04.2019 14:08:51 »
Damit sind wir also glücklich (?) bei der Perserzeit angelangt.
Und damit bei Esra und Nehemia, die als Bevollmächtigte des Großkönigs den Wiederaufbau Jerusalems organisierten.

Dabei stellte sich die Frage: Wer darf mitmachen? Wer ist überhaupt Jude?

Aufgrund einiger negativer Erfahrungen mit anderen Völkern wurde die Entscheidung getroffen, die Zugehörigkeit zum Gottesvolk an den Stammbaum zu koppeln.

Das bedeutete: Mischehen waren nicht mehr gerne gesehen. Die Abkömmlinge aus eben solchen - auch nicht.

Später sollte es dann heißen: Jude ist, wer von einer jüdischen Mutter abstammt.

Das waren schwierige Entscheidungen, die heiß diskutiert wurden.

Davon erzählt auch ein Buch, dass wohl in dieser Zeit seine endgültige Gestalt bekam.

Ruth.

Sie ist eine Moabiterin. Also Angehörige eines verfeindeten Brudervolkes. Trotzdem heiratet sie einen Juden, der in Notzeiten in ihr Land gekommen war.

Wo die Liebe hinfällt...  :-\

Als sie Witwe wird - macht sie sich mit ihrer Schwiegermutter auf nach Judäa.

In eine kleine Stadt, die da heißt Bethlehem. 

Dort heiratet sie - nach gewissen Anlaufschwierigkeiten - einen reichen Bauern.

Boas.

Beide bekommen einen Sohn: Obed.

Vater eines gewissen Isai oder Jesse.

Der wiederum unter zahlreichen Söhnen einen namens - David hat.  ;)

So viel zu Stammbäumen...  :-\




 
« Letzte Änderung: 01.04.2019 14:16:13 von De Wolf »
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« Antwort #162 am: 01.04.2019 14:11:33 »
Was wären die, ohne all die starken Frauen, die (Familien-)geschichte mitgeschrieben haben?

Eben!  :up:
« Letzte Änderung: 01.04.2019 14:17:02 von De Wolf »
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« Antwort #163 am: 04.05.2019 20:30:10 »
Etwa 200 Jahre behaupteten die Perser ihren Status als Großmacht.

Bis ein junger, charismatischer Makedonenkönig namens Alexander ihr ein Ende setzte.

Das kleine Volk der Juden hatte mittlerweile gelernt, mit der Zeit zu gehen.

Und sich den Zeitläufen - zumindest äußerlich - anzupassen.

Wie zuvor aramäisch lernten viele Juden jetzt Koinegriechisch. Die allgemeine, die verschiedensten Völker verbindende Kultursprache.

Die Juden in der ägyptischen Diaspora machen sich sogar daran, den Tanach ins griechische zu übersetzen.

Es entstand die Septuaginta, die Übersetzung der Siebzig, weil der Legende nach so viele Gelehrte daran mitgearbeitet hatten.

Damit wurde der Glaube an den einen Gott auch für Nichtjuden verständlich.

Jüdische Philosophen taten ein übriges, ihren Glauben mit dem kulturellen Mainstream der Umwelt zu verknüpfen.

In vielen Bibliotheken jener Zeit (Alexandria - genau) stand die Septuaginta neben den Klassikern der griechischen Philosophie. 

Auch die frühe Christenheit wusste diese wissenschaftliche Leistung zu schätzen. Die Septuaginta half ihnen bei ihrer Mission, Juden und Heiden für den Mann aus Nazareth zu gewinnen.

Manchmal jedenfalls...  ;)
« Letzte Änderung: 04.05.2019 23:13:47 von De Wolf »
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« Antwort #164 am: 07.05.2019 15:44:38 »
Wobei das Verhältnis der Kirche zur Synagoge von Anfang an - spannungsvoll war.

Einerseits war das jüdische Erbe unverzichtbar- andererseits wollte man doch sich vom Judentum abheben.

Das wird auch deutlich in der theologischen Begriffswahl.

Ich sage mal "Altes" und "Neues Testament". (Ersteres - qd-relevant mit 39, letzteres mit 27 Schriften).

Neu durchaus im Sinne von besser, weil man hier die alten Verheißungen "erfüllt" sah.

Ähnlich verhält es sich auch mit dem Begriff "Spätjudentum" für die letzten vorchristlichen Jahrhunderte und die Zeit der Zeitenwende. 

Das hört sich nach Endzeit an, als wäre danach nichts mehr gekommen. Jedenfalls keine echten schöpferischen Impulse.

Und wenn - wurden die eilends übernommen und ins eigene Gedankengebäude integriert.

Ein typisches Bespiel ist das letzte Prophetenbuch, das des Maleachi (dt. "Mein Bote").

Der nochmals viele Themen seiner Kollegen erinnert.

Und sich dabei auch auf Elia bezieht.

Prompt wird diese Motivik christlicherseits auf Johannes den Täufer als allerletzten Propheten und wichtigsten Wegbereiter Jesu bezogen.

Ideenklau?

Modern gesprochen: Ein Plagiatsfall? 

Ok. Die Quellen werden öffentlich gemacht.

Aber Respekt vor geistigem Eigentum anderer sieht - anders aus...  :-\
« Letzte Änderung: 07.05.2019 15:47:49 von De Wolf »
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« Antwort #165 am: 08.05.2019 13:15:16 »
Anders als der abwertende Begriff Spätjudentum hat der des Späthellenismus seine Berechtigung.

Er beschreibt den ab 230 v. Chr. einsetzenden Niedergang der griechischen Staaten  bzw. der Herrschergeschlechter, die Alexander "beerbt" hatten.

Wobei diese Entwicklung untrennbar mit dem unaufhaltsamen Aufstieg Roms verbunden ist.

Ein besonderer Fall ist der Seleukidenherrscher Antiochos IV., der über weite Teile des vorderen und mittleren Orients regierte.

Bekannt wurde er unter dem klangvollen Beinamen (Theos) Epiphanes, also der (leibhaftig)  erschienene Gott.

Prima vista war er ein mächtiger Herrscher.

Aber auch er lebte als junger Mann als Geisel in Rom. Eine übliche Praxis um potentielle Gegner in Schach zu halten.

Später wurde er dann "Freund" der Römer im großen Spiel der Mächte.

Als die ihn nicht mehr brauchten - ohnmächtiger Statist und Befehlsempfänger.   

Nach dieser außenpolitischen Pleite verfiel er auf die glorreiche Idee, innenpolitisch zu trumpfen.

So ging er gegen die Juden vor und versuchte im Jerusalemer Tempel den Zeuskult einzuführen.

Mit dem Ergebnis, dass das entrüstete Gottesvolk unter Führung eines Priesters names Mattitjahu ben Joḥanan den Aufstand gegen die Fremden wagte.

Als die Griechen endlich vertrieben waren, ließen sie den Tempel entweiht und ausgeplündert zurück.

Es war gerade noch genug Heiliges Öl für acht Tage da. Mehr nicht.

Aber damit wurde ein großes Tempelweihfest gefeiert. Das qd-relevante Chanukka.

Die siegreichen Juden gründeten ein zweites Königreich. Das der Makkabäer bzw. Hasmonäer. Stolze Nachkommen des Mattitjahu. Die sogar zu Freunden des römischen Volkes ernannt wurden.

Moment.

Da war doch was...  :-\

« Letzte Änderung: 09.05.2019 12:13:43 von De Wolf »
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« Antwort #167 am: 18.05.2019 21:55:24 »
Interessant ist vielleicht noch, dass Chanukka im Monat Kislew gefeiert wird.

Also nach unserem Kalender irgendwann zwischen Mitte November und Mitte  Dezember.

In jedem Fall in der dunklen, trüben Jahreszeit, wo Lichtern eine ganz besondere Bedeutung zukommt.

Komisch, dass ich jetzt an Johann Hinrich Wichern und seinen Adventskranz denken muss...  :-\
« Letzte Änderung: 18.05.2019 21:57:25 von De Wolf »
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« Antwort #168 am: 06.06.2019 15:13:32 »
Noch einmal zurück in die Ära des Antiochos, also ins zweite vorchristliche Jahrhundert.

In dieser Zeit wird der Tanach allmählich abgeschlossen. Das zeigen zum einen Vergleiche zwischen den Textfassungen (hebräisch/aramaisch und griechisch). Zum zweiten Textfunde aus den berühmten Höhlen vom Toten Meer. Zum dritten Anspielungen auf Geschehnisse jener Zeit.

Interessant sind dabei die späten, apokalyptischen Passagen des  Danielbuches. Seine Geschichtschau, wo die gottwidrigen (Groß-)mächte reichlich kryptisch als Tierwesen dargestellt werden.

Klar: Der Feind liest mit.

Antiochos wird dabei ironisch als "kleines Horn" bezeichnet.

Ob so etwas in die Bibel gehört, war noch lange umstritten.

Letztlich - auf einer Synode in Jamnia 100 n. Chr. - fand Daniel aber doch Eingang in den hebräischen Kanon.

Die beiden Makkabäerbücher nicht. Dieses Loblied nationalreligiösen Widerstands gibt es nur in der Septuaginta.

Von dort wurde es in christliche Bibelausgaben übernommen.

Entweder offiziell wie in der katholischen Bibel.

Oder als Anhang.

Als Teil der "Apokryphen", die eher im Verborgenenen weitergereicht wurden.  :reader: 
« Letzte Änderung: 06.06.2019 15:34:50 von De Wolf »
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« Antwort #169 am: 06.06.2019 15:29:48 »
Vielleicht noch ein Wort zum Genre der Apokalypse?  :-\

Sie dient dazu, den Gläubigen in schwierigen Zeit Mut zu machen.

Nicht über aktuellen Geschehnissen irre zu werden.

Sie will Unrecht aufdecken. Machtmissbrauch anklagen. Sie versucht, den Gegnern den Spiegel vorzuhalten, auch wenn das nur in verschlüsselter Form möglich ist.

Ein weiteres Merkmal.

Zukunft wird nicht länger als linearer Prozess verstanden. Wo auch die größte Krise auf kurz oder lang überwunden wird. 

Sie geschieht gewissermaßen "von oben".

Durch das direkte Eingreifen Gottes.

In jedem Fall reagieren die Verfasser auf das aktuelle Zeitgeschehen.

Dass die faszinierend-kryptischen Bilderwelten religiöse Sondergemeinschaften aller Zeiten zu krausen Spekulationen über das Weltende inspirierten -  ist eine andere Geschichte.  :(
 
« Letzte Änderung: 06.06.2019 15:33:26 von De Wolf »
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« Letzte Änderung: 07.06.2019 11:06:35 von De Wolf »
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