Autor Thema: Die Bibel  (Gelesen 11437 mal)

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« Antwort #125 am: 29.12.2017 18:48:41 »
Muss sich um einen entfernten Verwandten von Herakles (lat. Hercules) handeln...

https://www.google.de/search?q=simson+bibel&rlz=1C1GKLB_enDE666DE676&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwiWstW94q_YAhWHEuwKHV2PAG4Q_AUICygC&biw=960&bih=474#imgrc=ku51-faNgcmRUM:

QD-relevant ist sein langes Haar, die Quelle seiner Kraft.

Kunst- und filmgeschichtlich bedeutsam ist auch seine Beziehung zu der ebenso schönen wie intriganten Philisterfrau Delilah.   

:o
« Letzte Änderung: 29.12.2017 18:57:22 von De Wolf »
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« Antwort #126 am: 29.12.2017 18:52:50 »
Spannend:

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« Letzte Änderung: 28.06.2018 15:37:13 von Sisterinheart »
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« Antwort #127 am: 13.02.2018 14:41:53 »
So gut die Richter ihre Arbeit auch machen - es braucht langfristig eine starke Zentralgewalt.

Ein König muss her - mit einer effizienten Verwalgtung, Rechtsprechung und einem Heer. Auch wenn das seinen Preis hat.

So wählt Israel - mit Gottes Segen - seinen ersten König. Saul - aus dem Stamm Benjamin.  :priest:

Dem Kleinsten der zwölf Stämme.

So ist es unwahrscheinlich, dass er seine Macht missbraucht.

Das Problem: Er hat nur eine kleine Hausmacht.

Er baut sich deshalb eine Zitadelle bei Gibea, sammelt gute Krieger um sich und legt so den Grundstein zu einer Armee aus Berufssoldaten.  :baseball: :baseball: :baseball: :baseball: :baseball:

Einer der Auserwählten ist der junge David aus dem Stamm Juda (der mit Goliath - genau!).  :bang:

Der Saul nach und nach überflügelt.

Wer wäre da nicht depressiv und misanthropisch geworden?  :(

Immerhin: Die Richtung stimmt. Es gelingt Saul aber nicht, die Übermacht der Feinde zu brechen und eine Dynastie zu gründen.

Er fällt mit seinem ältesten Sohn Jonathan  im Kampf gegen die Philister.  :o

Sein Nachfolger wird David , der als König von Juda, Israel und Jerusalem Weltgeschichte schreibt.

Mehr oder weniger...   

:think:




« Letzte Änderung: 13.02.2018 14:45:20 von De Wolf »
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« Antwort #128 am: 13.02.2018 14:42:04 »
Es gibt keine archaölogischen Funde, die das Bild ergänzen oder gar bestätigen.  :-\

Aber viele verschiedene Überlieferungen. Loblieder und massive Königskritik.  :motz:

Ist wohl das Los aller Großen damals und heute...  :'(
« Letzte Änderung: 15.02.2018 18:57:33 von De Wolf »
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« Antwort #129 am: 15.02.2018 19:08:17 »
Spannend, was die Bibel über Davids Aufstieg zu königlicher Macht erzählt.

Da ist der kleine Hirtenjunge aus dem judaäischen Städtchen Bethlehem - dem "Haus des Brotes" (qd-relevant).  ;)

Der Gefolgsmann Sauls, der in Ungnade fällt.

Der freischaffenden Söldner, der auch mal für die Philister kämpft.  :o

Bis seine Stunde kommt und er zunächst die Königsherrschaft über Juda erringt.  :up:

Einige Zeit später die über die anderen Stämme Israel.   :up: :up:

Jetzt wird es knifflig. Wo soll seine Hauptstadt sein, um keinen in der "Doppelmonarchie" zu vergrätzen?

 :-\

Sein politisches Meisterstück. Er erobert eine kleine kanaanäische Stadt und macht sie zu seiner Hauptstadt.
Jerusalem.
Auch als Stadt Davids bekannt.

Voila. 

Klingt nach einem salomonischen Urteil nicht wahr?   :reader:

Aber - Halt - das kriegen wir später.  ;)
« Letzte Änderung: 15.02.2018 19:11:07 von De Wolf »
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« Antwort #130 am: 21.02.2018 10:58:41 »
Jerusalem. Heute eine Großstadt mit einer Bevölkerung von etwa 860 000 Menschen auf einer Fläche von 125 km².

Zu Davids Zeiten eine winzige Felszinne von vielleicht einem halben Quadratkilometer.

Weshalb der assyrische Herrscher den Jerusalemer Kollegen abfällig als Zaunkönig bezeichnete...

Aber das nur nebenbei.

Klar ist  - bei den beengten Verhältnissen konnte David seinen Untertanen gewissermaßen ins Schlafzimmer blicken.

Oder - ins Bad.  :-\
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« Antwort #131 am: 21.02.2018 11:28:44 »
Da sieht der König eines schönen Tages eine junge Frau. Bathseba. Die "Tochter der Fülle" (!).

Die Ehefrau eines Offiziers, Uria, der im Dienste Davids auf Auslandseinsatz ist.

Der König - charmant und hilfsbereit wie er ist - lädt die Frau in seinen Palast ein. Es entwickelt sich eine heiße  Affäre. Und Bathseba - wird schwanger.

Um einen Skandal zu vermeiden - lädt David Uria zum Rapport vor.

Und gibt ihm anschließend großzügig Heimaturlaub. Legt ihm nahe, sich ein paar schöne Stunden mit seiner Liebsten zu gönnen.

Doch der pflichtbewußte Mann beruft sich auf seine Dienstpflicht und - unterschreibt damit sein Todesurteil.

Auf dem Weg zur Front bekommt er den berüchtigten Uriasbrief mit, in dem sein Vorgesetzter angewiesen wird, ihn in gefährlicher Lage im Stich zu lassen.  :o

Es kommt wie es kommen muss. Uria fällt. Und David - human und voller Pietät - nimmt die Witwe nach angemessener Trauerzeit zur Frau.  :) :sg_smile:

Dumm nur, dass die Sache nicht verborgen bleibt. Der Prophet Nathan bekommt von höchster Stelle Nachricht, zum König zu gehen und ihm die Leviten zu lesen. :motz:

Ein hochbrisanter Kriminalfall. Und ein Paradebeispiel prophetischer Königskritik. Wie es sie nur in der Bibel gibt...

Nachzulesen in 2. Samuel 11...  :coffee:




« Letzte Änderung: 21.02.2018 12:09:37 von De Wolf »
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« Antwort #132 am: 21.02.2018 11:31:22 »
Aus der Ehe zwischen David und Bathseba geht auch der Thronfolger hervor, dessen Herrschaft als Höhepunkt der israelischen Geschichte gilt.

Salomo...  O:-)

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« Antwort #133 am: 07.04.2018 12:15:04 »
Mit Salomo beginnt - der Bibel zufolge - die absolute Glanzzeit der israelischen Geschichte.

Schon der junge König offenbart besondere Geistesgaben.

Denn man muss schon einiges auf dem Kasten haben, um von Gott statt Macht, Größe, Erfolg und langes Leben schlicht - Weisheit zu wünschen. Eine gute Entscheidung, denn damit kommt alles andere fast wie von selbst.  :up:

So entsteht mit hohem technischem, materiellem und logistischem Aufwand der Jerusalemer Tempel.

Das nötige Zedernholz kommt samt erfahrenen Technikern aus dem Libanon. Vom phönizischen König Hiram höchstselbst, mit dem Salomo intensive diplomatische Kontakte pflegt.
So gut sind die Beziehungen, dass mit Hilfe des Seefahrer- und Händlervolkes eine Flotte entsteht, die von Akaba südwärts Richtung Arabien und Afrika segelt und reiche Schätze nach Hause bringt. Ich saach nur - Weihrauch. Oder erinnere an die legendären Minen Salomos...

Auch mit dem ägyptischen Pharao steht Salomo auf gutem Fuß und führt eine seiner Töchter in seinen nicht gerade kleinen Harem.   

:o

Und eines schönen Tages bekommt der Herrscher sogar hohen Besuch aus dem Jemen. Die Königin von Saba, die Salomos Weisheit bewundert und mit ihm angeblich das äthiopische Königshaus begründet.  :) :sg_smile:

Hmmm...

Hört sich fast zu schön, an um wahr zu sein.  Vor allem - weil ein solches Großreich auch in den Archiven der Nachbarstaaten Spuren hinterlassen hätte.  Da ist der Befund aber dürftig. Bzw. nicht existent.  :-\

Wahrscheinlich haben  die Geschichtsschreiber einfach einen idealen Herrscher porträtiert, von dem seine Nachfolger was lernen sollten. Auch und gerade in puncto Weisheit und Frömmigkeit.  :reader:

Denn gegen Ende seiner Regierungszeit wird Salomo schwach. Das Volk stöhnt über all den Regierungsaufwand, die Steuerlasten und den Frondienst, von dem Salomos eigene Leute natürlich verschont bleiben.... 

Die Frommen ärgert, dass der König seinen Frauen erlaubt, ihre eigenen Götter zu verehren.  :notamused:

So kommt es wie es kommen muss. Unter dem Nachfolger Rehabeam - einen ziemlich arroganten Schnösel - meutert Israel und das Großreich zerbricht.
Nur der Süden mit dem Stammland Juda und dem kleinen Benjamin bleibt dem König treu.
Der Norden geht eigene Wege und wählt einen Mann aus dem Volk: Jerobeam (!).  :sekt:

Wie heißt es doch in Unternehmerkreisen? Und wie erzählt es Thomas Mann in seinem qd-relevanten Roman über eine gewisse Kaufmannsfamilie in Lübeck?

Der Großvater baut's auf. Der Sohn erhält's. Der Enkel - ruiniert alles.

Da ist schon was dran...  :-\




« Letzte Änderung: 07.04.2018 12:27:29 von De Wolf »
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« Antwort #134 am: 07.04.2018 17:49:09 »
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« Antwort #135 am: 07.04.2018 20:21:38 »
"Der Wein erfreut des Menschen Herz" (Psalm 104,15).  :wine:
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« Antwort #136 am: 27.06.2018 14:05:00 »
Ach ja. Die frühe Königszeit.

Offensichtlich eine Periode, die in der Rückschau zur "Guten alten Zeit" wurde.

Wie wir das ja auch aus anderen Kulturen kennen.

Auch wenn da historisch manches Fragezeichen bleibt.

Literargeschichtlich bewegen wir uns allerdings auf einigermaßen sicherem Boden.

Denn in dieser Zeit macht man sich dran, aus den verschiedenen mündlichen Überlieferungen ein erstes zusammenhängendes biblisches "Buch" zu schreiben.

Ein Werk, das die Wissenschaft einem gewissen Jahwisten zuschreibt.

Der Grund liegt darin, dass der Gute diesen besonderen Gottesnamen verwendet.

Den wir vielleicht etwas genauer untersuchen sollten.

Es gibt da - grob gesagt - ein hebräisches Wort haja.
Das mit "sein" oder "geschehen" zu übersetzen ist.
Jahwe ist also der Gott, der ist. Sich als Gott zeigt, indem er handelt (s.o.).
Ein sehr dynamischer Gottesbegriff also.
Eine Kritik an statischen Vorstellungen andere Völker, die sich ja auch an bestimmte "ikonische" Darstellungen halten.

Aber das nur nebenbei.

QD-relevant ist, dass dieser Gottesname aus den vier Buchstaben JHWH (hebräisch jod vav he vav) besteht. 
Da sind wir bei dem Vierbuchstabenwort (Tetragrammaton), das wir hier sehen:
« Letzte Änderung: 27.06.2018 14:59:32 von De Wolf »
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« Antwort #137 am: 27.06.2018 14:05:57 »
Voila...  :up:

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« Antwort #138 am: 27.06.2018 14:28:57 »
Ein Problem ist, dass das Hebräische (ursprünglich) eine Konsonantenschrift ist.
Wer sie lesen will, muss also die Vokale selber ergänzen.
Was nur geht, wenn man weiß, wie die Worte gesprochen werden.

m dtschn ght ds ch, nr st ds tws gwhngsbdrftg.    ;)

Das Problem ist, dass mann (!) den Gottesnamen irgendwann aus Respekt nicht mehr ausgesprochen hat.

Mann dachte ihn nur und sagte statt dessen Adonai. Der HERR.

Als in späterer Zeit das Aramäische zur Alltagssprache wurde und noch später - in der Diaspora - die Sprachen der Völker, da ergab sich eine besondere Herausforderung. 

Die Kenntnis des biblischen Hebräisch musste bewahrt werden.
Insbesondere die richtige Aussprache. 
Denn - wie sollte man sonst die gottesdienstlichen Texte richtig lesen?  :-\

So haben Gelehrte die Konsonantenschrift fixiert und durch Hilfszeichen für Vokale ergänzt.

Dank dieser "Lesehilfen"  entstand so ein merkwürdiges Wortgebilde, das aus den Konsonanten JHWH und den Vokalen A O A bestand.

Als optischer Merker gewissermaßen - dass niemand hier was Falsches liest oder gar ausspricht.   :o

Komisch. Wieso muss ich jetzt an Monty Python denken?    :-\

Ok - weiter. Das "Kunstwort" sieht aus wie  - Jehova.   

Was aber keiner (mehr) liest oder spricht, der sich etwas mit der Geschichte auskennt.

Machen wir es also so wie die Juden.
Wir sehen in unserer Bibel HERR (in Großbuchstaben), lesen das auch so und -  denken uns den Gottesnamen dazu.
Der wahrscheinlich Jahwe ausgesprochen wurde.
Oder wir sprechen wie die Juden vom heiligen "Namen" (Schem).
So oder so -  jeder Namenskult ist damit vermieden.

Alles klar?   ;)
« Letzte Änderung: 28.06.2018 15:34:07 von De Wolf »
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« Antwort #139 am: 27.06.2018 14:55:46 »
Nachbemerkung:

Das Werk des Jahwisten hat später Eingang in die biblischen Geschichtsbücher gefunden - in die altbekannte Thora, den ersten Teil der Hebräischen Bibel.

Gefolgt von der Sammlung der prophetischen Bücher, den Nebiim.

Den Abschluss machen dann die Psalmen und andere erbauliche/weisheitliche Schriften. Die Ketubim.

Womit wir bei dem QD-relevanten Akronym TaNaK bzw Tanach sind, dem  Begriff der Juden für ihre heilige Schrift.

Fortsetzung folgt. Klar. Bess demnächst... ;)
 


 
« Letzte Änderung: 27.06.2018 19:49:01 von De Wolf »
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« Antwort #140 am: 14.07.2018 18:03:20 »
Hallo und - wo simmer denn dran mit unserer heutigen Fortsetzung? 

Aha - heute kriegen wir die Prophetie.  Also, was ist ein Prophet?
Da stellen wir uns ganz dumm und sagen mit QD: Ein Prophet ist ein Mensch, der Botschaften von Gott bekommt und weitergibt.

Wobei die Definition "ein Freund von Jesus" auch ganz nett ist. 

Aber im Ernst:

Propheten hat es in vielen Kulturen gegeben. Gerade im vorderen Orient.

Ihre Rolle war zumeist die eines königlichen Beraters und/oder Hofdichters.

Ein angesehener und gut honorierter Beruf - wenn es dem Amtsträger gelang, die Erwartungen seines Herrschers zu erfüllen.

Also seine Taten in ein möglichst positives Licht zu rücken.

Solche Heilspropheten gab es auch im Israel. Zum Beispiel den berühmten Jona.

Allerdings entsteht hier auch eine besondere Form, die sich gegen so eine "Vereinnahmung" wehrt und im Auftrag Gottes Kritik an den herrschenden Verhältnissen und am politisch-religiösen Establishment übt.

Aus solchen zum Teil recht scharfen Analysen ergeben sich dann Konsequenzen oder Perspektiven für die Zukunft, die der Prophet aufzeigt.

Ein diffiziler Prozess.

Ganz anders als da, wo jemand einfach (?) nur zukünftige Ereignisse sicher vorhersagt.

Ein frühes Beispiel ist der Prophet Nathan, der den Ehebruch Davids aufdeckt.

Oder Ahija, der den Zerfall des salomonischen Großreiches nicht nur "voraussieht", sondern Jerobeam als Rivalen Rehabeams und neuen König Israels aufbaut und installiert.

Ein anderer interessanter Charakter ist Elia.

Ein Name, der Programm ist.

Eli-jahu heißt nämlich: Mein Gott ist Jahwe. Und nicht Baal und Co. Die kanaanäisch-phönizische Konkurrenz.

So stellt Elija seinen Zeitgenossen gewissermaßen die (qd-relevante) Gretchenfrage.

"Wie haltet ihr es mit der Religion?"

Haltet ihr Euch an den Gott der Befreiung, der sich mit seinen Geboten für das Lebensrecht der kleinen Leute einsetzt?

Oder auf die Götter der "Anderen", die seit jeher auf das Recht des Stärkeren setzten?

Felix Mendelssohn-Bartholdy hat diesem Elia in seinem berühmten Oratorium ein Denkmal gesetzt.

Wobei in der dramatischen Szene der Begegnung Elias mit der Konkurrenz vom Baalskult auch die Gegenseite zu Wort kommt.

Und wie! 

 Anhören!   :up:




« Letzte Änderung: 14.07.2018 18:34:35 von De Wolf »
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« Antwort #141 am: 14.07.2018 18:14:07 »
Schon faszinierend die wiederholte Beschwörung Baals, die immer dramatischer wird.

Ja, wo bleibt er denn?  :-[

https://www.youtube.com/watch?v=A7g4jar-NUs
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« Antwort #142 am: 22.07.2018 15:57:45 »
Schon eine interessante Sache diese biblische Prophetie. Eine Institution, die sich einer Institutionalisierung - einer Vereinnahmung durch die Mächtigen in Religion und Politik - verweigert.

Wobei sich daraus noch eine weitere Besonderheit ergibt.

Denn von einer ganzen Reihe von Propheten wird nicht nur berichtet. Wir können sie im O-Ton lesen, weil ihre Worte von Schülern oder Unterstützern  gesammelt und schriftlich festgehalten wurden.

Ein besonderer Fall ist dabei der "weinende Prophet" Jeremia.

Da bekommen wir tiefe Einblicke in schwierige  Arbeitsbedingungen. 

Er lebte in der Zeit der neubabylonischen Expansion und warnte die Oberen nachdrücklich davor, sich mit dieser Großmacht anzulegen.

Klar, dass die das nicht hören wollten.

Wozu gab es denn den Tempel als Thron Gottes und Symbol nationaler Stärke?

Der noch über jedes außen- und  innenpolitische Problem hinweggeholfen hatte.   

Und im Fall des Falles, da  blieb immer noch der südliche Nachbar Ägypten, der den Newcomern im Osten  schon Paroli bieten würde.

Da Jeremias Kritik auf taube Ohren stößt - formuliert er eine Denkschrift, die bei Hof vorgelesen wird.

Wobei der König die lange Schriftrolle Abschnitt für Abschnitt mit dem Federmesser kürzt - und verbrennt.

Hilft nichts. Er bekommt ein zweites Exemplar. Und ggf. ein Drittes.

Was mich irgendwie an die Dissidenten im Ostreuropa erinnert. Mit ihren selbstverlegten Werken, die trotz Zensur ihre Adressaten fanden (Samisdat) .

Aber das ist eine andere Geschichte...   ;)
« Letzte Änderung: 22.07.2018 16:26:41 von De Wolf »
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« Antwort #143 am: 22.07.2018 16:12:42 »
Etwas qd-taugliche Bibelkunde?

Es gibt unter den 39 Büchern des Alten Testaments vier, die Worte der großen Schriftpropheten enthalten. Jesaja. Jeremia, Hesekiel und Daniel. 

Dazu eine Sammlung von zwölf kleinen (aber keinesfalls unbedeutenden) Kollegen, die folgerichtig als "Zwölfprophetenbuch" bezeichnet wird.

Der letzte ist Maleachi aus der späten Perserzeit.

Oder aus der Frühzeit der griechischen Reiche. Das ist daran zu erkennen, dass der Inhalt des AT - der Kanon - da schon ziemlich feststeht.

Einen Propheten mit Namen Nabal sucht man da aber umsonst.

Der war nach 1. Samuel 25 ein reicher aber geistig beschränkter Gutsbesitzer, der sich ohne Not mit König David anlegte und nur durch die Klugheit seiner Frau vor einem schlimmen Ende bewahrt wurde.

Aber das nur nebenbei...   :reader:

 
« Letzte Änderung: 22.07.2018 16:27:05 von De Wolf »
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« Antwort #144 am: 22.07.2018 17:47:56 »
Nur der arme Elijah, der hat kein Buch gekriegt... :sigh:
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« Antwort #145 am: 21.09.2018 20:43:01 »
Nur der arme Elijah, der hat kein Buch gekriegt... :sigh:

Immerhin wurde ihm ein Privileg zuteil,  das im AT sonst keiner hatte. Nicht nur, dass, wie bei Mose das Grab unbekannt blieb.
Elija ist der Bibel zufolge leibhaftig in den Himmel gefahren!  :up:

Von da soll er am Ende der Zeiten wiederkommen, um dem Friedefürsten und Gesalbten Gottes, dem Messias (griech. Christus) den Weg zu bereiten (womit wir wieder bei der "Parusie" wären - genau).

Weshalb viele Leute in Johannes dem Täufer (und auch in Jesus) den zurückgekehrten Elija sahen. Wenn nicht mehr...

Beim familiären Sedermahl, der Passahfeier, ist übrigens stets ein Platz für diesen größten aller Propheten reserviert.
Und ein Becher Wein dazu.
Für alle Fälle.   :wine:

Ok.Ok. Jetzt wird es sehr speziell. Weiter mit - aramäisch.  :))
« Letzte Änderung: 21.09.2018 22:19:24 von De Wolf »
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« Antwort #146 am: 27.09.2018 18:34:50 »
Ja, was ist - bitteschön - aramäisch?

Es ist wie hebräisch oder arabisch eine semitische Sprache.

Wobei es bei aller Ähnlichkeit doch große Sprachbarrieren gibt.

Ähnlich vielleicht wie zwischen deutsch und englisch. Oder niederländisch.
Oder - schwedisch?

Wer sich also als Israelit bz. Jude auf aramäisch verständigen wollte, der musste es lernen. Und das brachte durchaus Vorteile, denn es war im ersten vorchristlichen Jahrtausend DIE Verkehrssprache im vorderen Orient. 
Womit sich wieder Parallelen zum Englischen in unserer Zeit auftun.

Im 2. Königsbuch Kapitel 18 gibt es eine interessante Episode, die das Sprachproblem zeigt.

Ab 750 fährt die Militärmacht der Assyrer einen brutalen Expansionskurs gegen die Nachbarvölker. .

722/21 fällt das israelitische Nordreich mit der Hauptstadt Samaria.
701 wird Judäa besetzt und Jerusalem belagert.
Ein hoher assyrischer Offizier kommt an die Stadtmauer, um die Eingeschlossenen angesichts der aussichtslosen Lage zur Kapitulation aufzufordern.

Dabei spricht er zum Entsetzen der jüdischen Oberen - ihre Sprache.

Das einfache Volk bekommt also genau mit, wie duster es aussieht...

Untertänigst weisen die Herren darauf hin, dass sie aramäisch können.
Eine Finte, die der Offizier natürlich durchschaut.
Und so spielt seine Sprachkenntnisse erst recht aus und wendet sich direkt an das Volk! :o

Hört sich nach Propagaganda an. Nach psychologischer Kriegsführung.

Isses wohl auch.

Dass die Belagerung scheitert, liegt alleine an einer Seuche, die große Teile des assyrischen Heeres dahinrafft.

Für die Juden war da natürlich ein Engel des Herrn am Werk.  :reader:

Und das Narrativ geboren, dass die Davidsstadt unter Gottes besonderem Schutz steht.

Ein Irrglaube - wie die Erben Assurs, die Babylonier 597/587, eindrücklich bewiesen, als sie Stadt und Land eroberten und verwüsteten.  :'(

Die Folgen sind bekannt: Das jüdische Volk musste seine Heimat verlassen und kehrte erst nach 70 Jahren wieder zurück.

Viel hatte sich verändert.

Auch dass die Juden sich an die Umwelt angepasst hatten und jetzt aramäisch als Alltagssprache hatten.
Dass Hebräisch nur noch im Gottesdienst Verwendung fand.
Oder bei der Abfassung einiger Spätschriften des Tanach.

Übrigens: Auch Jesus sprach einen aramäischen Dialekt - den sehr markanten, rauhen, kehligen seiner Heimat Galiläa.
Weshalb sein Freund Petrus auch gleich erkannt wurde, als er sich während des Prozesses im Hof des Hohenpriesters aufhielt.  :-[

Noch ein Fact?

Bis in unsere Zeit hinein konnte sich aramäisch gegen das Arabische behaupten.

Wenn auch zuletzt nur noch in einigen Sprachinseln.

Die Bewohner im syrischen Maalula (dem Heimatort Rafik Schamis) sprechen noch immer einen neuwestaramäischen Dialekt.

Hoffentlich bleibt das auch so...  :up:
« Letzte Änderung: 27.09.2018 18:39:12 von De Wolf »
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